Christoph Grätz über „Die Schneekönigin“

Von melancholischen Rentieren, belesenen Krähen, und trotteligen Trollen

SCHNEEKOENIGIN_09_FOTO_Hans_Joerg_MichelEine tolle Geschichte von Hans Christian Andersen erzählt hier der Komponist Marius Felix Lange, der auch den Text für diese Kinderoper geschrieben hat. Da ist richtig was los auf der Bühne, wenn Gerda sich auf die Suche nach ihrem Kay macht. Dieser wurde von einem Splitter des verwunschenen Spiegels des Deubeltrolls im Auge und schließlich im Herzen getroffen und verschwand dann plötzlich ins Reich der Schneekönigin. Hier ist es nicht nur der Temperatur nach bitterkalt, sondern vor allem was Gefühle angeht. Mit jedem Kuss raubt die Schneekönigin dem mutigen Kay ein Stück Menschlichkeit und Lebensfreude.

Gerda glaubt einfach nicht, dass ihr Freund tot sein soll, und sie begibt sich auf eine abenteuerliche Suche. Dabei begegnet sie so allerhand schrägen Charakteren. Ein opulentes Bühnenbild und effektvolle Lichtregie illustrieren phantasievoll und farbenfroh die Stationen ihrer Reise, wie auch ein wahrer Farbenreigen bei den Kostümen. Mit welcher Liebe zum Detail die Handwerker der Deutschen Oper am Rhein hier gewirkt haben, zeigen zum Beispiel die Blumenfrau mit den Rosen, die Räuberhöhle, die die Bühne in zwei Hälften teilt und die Täubchen, die in ihren Käfigen gurren, dargestellt von einzelnen Sängerinnen und Sängern der Robert Schumann Hochschule. Höhepunkte auf die sich die Besucher freuen können sind die Auftritte des melancholischen Rentiers, toll gesungen vom Bass Lukasz Konieczny, oder der belesenen Krähe, wundervoll gespielt und gesungen von Florian Simson. Süß sind auch das liebestolle Prinzenpaar und die weise Lappin, in der Schneesauna.

Sie alle helfen Gerda ein Stück weiter ihren Kay zu finden. Daran können auch Trottel- und Tölpeltroll, die genau dies auf Befehl der Schneekönigin verhindern sollen, nichts ändern. Der Auftritt von Adela Zaharia in der Titelpartie ist wahrhaft einer Schneekönigin würdig, zumal hier die Musik von langen hochgesungenen Phrasen getragen wird, die ihrem Auftritt die majestätische Würde und Kühle verleihen. Die gesangliche Leistung des gesamten Ensembles hat mich überzeugt, auch Kay und Gerda (Dmitri Vargin und Heidi Elisabeth Meier) singen die teilweise nicht sehr eingängigen Melodien mit Gefühl und Präzision. Einzig bei der Schlussarie der Gerda hätte Lukas Beikircher das Ensemble etwas zurücknehmen können, um Gerda mehr glänzen zu lassen.

Ich war positiv überrascht von der wirklich hoch anspruchsvollen Musik, die kein bisschen kitschig war und alle dramaturgischen Wendungen packend betonte. Auch zeitgenössische Komponisten können noch originell sein, ohne gleich experimentell zu klingen. „Kannst´s nicht sehen, kannst´s nicht hören, kannst es nur im Herzen spür´n“, das ist nicht nur der Titel der zu Herzen gehenden Arie von Kay und Gerda, sondern auch die Botschaft der Geschichte. Ich zumindest habe mehr Eingängiges nicht vermisst. Diese kurzweilige Oper ist nicht nur für kleine Zuhörer/-innen geeignet. Unbedingt reingehen.

Weitere Informationen zu „Die Schneekönigin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-schneekoenigin.1047767

Opernscout Christoph Grätz-1Christoph Grätz
Referent der Stabsstelle Kommunikation bei der Caritas

Wenn es sie nicht schon gäbe, bäte er Gott sie zu erfinden: die Musik. Als Sänger im philharmonischen Chor Duisburg, als ungeduldiger Akkordeonschüler und begeisterter Tangotänzer füllt Christoph Grätz seine Freizeit mit viel Musik (und umso weniger Sport). Bei der Arbeit als Öffentlichkeitsarbeiter für die Caritas darf er zwar auch kreativ werden, aber fast nie musikalisch. Oper und Ballett entdeckt er jetzt nach und nach als Opernscout. Wie schön, dass er etwas davon mitteilen kann.

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