Kathrin Pilger über „Die Schneekönigin“

Eine beeindruckende Umsetzung des Märchenstoffs

SCHNEEKOENIGIN_14_FOTO_Hans_Joerg_MichelDie Premiere einer Oper für Kinder stand am 23.04.2016 auf dem Programm im Theater Duisburg: Die „Schneekönigin“, nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen und zugleich die zweite Auftragsarbeit des Komponisten Marius Felix Lange für die Deutsche Oper am Rhein, bot sich – entgegen aller Erwartungen –  als sehr anspruchsvolles Programm dar, nicht nur für die Sängerinnen und Sänger, sondern auch für die junge Zielgruppe.

Die Handlung ist komplex: Den Jungen Kay treffen beim Spielen mit seiner Freundin Gerda Splitter eines zerbrochenen Spiegels ins Auge und ins Herz. Der Teufelsspiegel, gebaut vom bösen Deubeltroll, lässt alles Schöne hässlich und negativ erscheinen und verwandelt den fröhlichen Kay in einen rational gesteuerten, kaltherzigen Menschen. Im Winter begleitet er die Schneekönigin auf deren Schlitten in ihr Reich. Gerda begibt sich auf die Suche nach ihrem Freund Kay. Auf ihrer Reise begegnet sie einer Blumenfrau, einer geschwätzigen Krähe, einem frisch verheirateten Prinzenpaar, einem Räubermädchen, einem Rentier und einer finnischen Lappin, die ihr alle mehr oder weniger nützlich mit Auskünften dienen können. Schließlich findet Gerda den Palast der Schneekönigin, wo Kay vergeblich versucht, die an ihn gestellte Aufgabe zu lösen, das Wort „Ewigkeit“ aus Eisplatten zu legen; ein Erfolg würde ihm die Freiheit bringen. Gerdas Tränen und ihre Hilfe beim Legen des Wortes lassen Kays Eisherz schmelzen und erlösen ihn. Als zwei Erwachsene, die jedoch „Kinder im Herzen“ geblieben sind, kehren Gerda und Kay nach Hause zurück.

Die musikalische Umsetzung des Märchens als Oper ist sehr gelungen, passen doch Gesang wie Instrumentierung perfekt zu den Stimmungs- und Gefühlswelten der Protagonisten auf der Bühne. Allerdings ist die Musik wenig melodisch, mutet teils gar atonal an- die Wirkung auf Kinder, denen von der Inszenierung ein hoher Grad an Aufmerksamkeit abverlangt wird,  ist daher schwer abzuschätzen.

Sehr eindrucksvoll und mit viel Liebe zum Detail sind die Kostüme der Figuren gestaltet, die pelzigen Trolle, die farbenfrohen Blumen, die weißglitzernde Schneekönigin, die schwarzgefiederte Krähe mit Leiter, das Rentier mit seinen überlangen Beinen und schließlich die mit üppigen Bauchringen ausgestattete Finnin, die gleich mit einer ganzen Sauna auf der Bühne erscheint. Dazu wirkt das aus leicht variierbaren Komponenten bestehende Bühnenbild sehr passend.

Alles in allem ist der Deutschen Oper am Rhein mit dieser Inszenierung eine beeindruckende Umsetzung des Märchenstoffs gelungen, deren Altersempfehlung (ab 6 Jahren)  allerdings noch einmal überdacht werden sollte.

Weitere Informationen zu „Die Schneekönigin“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-schneekoenigin.1047767

Opernscout Kathrin Pilger-2Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg

Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

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