Uwe Schwäch über b.28

„Different Dialogues“ als krönender Abschluss

b.28_Ballett am Rhein_Düsseldorf / Duisburg
"Esplanade" ch.: Paul TaylorAuf einer gänzlich schwarz gehaltenen Bühne erscheinen die Tänzerinnen und Tänzer kontrastreich in pastellfarbenen Kostümen. Das schafft von Beginn an viel Aufmerksamkeit für „Esplanade“ von Paul Taylor. Der bewegungsreiche Tanz erinnert zunächst an kindliches Ringelreihen und vermittelt lebendige Heiterkeit und Fröhlichkeit. Stimuliert durch die polyphone Musik von Bach eröffnet sich dem Publikum ein Tanz der Herzen öffnet. Der musikalische Wechsel von Allegro und Adagio bringt aber auch melancholische Szenen hervor, die von Intimität und Zerbrechlichkeit zeugen. Das temperamentvolle Springen und Laufen auf der Bühne wandelt sich kurzweilig in spürbare Last und Bedrückung.
Am Ende gewinnt der anfänglich infantile Tanz positive Ernsthaftigkeit. Zur barocken Musik von Bach erleben wir anspruchsvolles und virtuoses Tanztheater, welches uns gut gelaunt in die Pause verabschiedet.

In der Uraufführung „Tenebre“ von Hubert Essakow wird das Opernhaus von einer sphärischen, experimentellen Musik durchdrungen. Auf der zunächst sehr dunkel gehaltenen Bühne sind skulpturale Bewegungsbilder zu erkennen, die beim Publikum eine merkliche Spannung erzeugen. Schwarz-weiße, futuristische Kostüme – die Tänzer tragen einen „Badeanzug“ – suggerieren Modernität gepaart mit einer bedrohlichen Zukunft. Das Bühnenbild zeugt von naturalistischen Elementen ohne jedoch die farblose Optik aufzubrechen. Der Tanz verschmelzt sich immer mehr mit einer zunehmend kraftvollen Musik, die filmische Züge enthält und stellenweise an Kompositionen von Michael Nyman erinnert. Den Tänzerinnen und Tänzern gelingt es, sowohl Sensibilität als auch Tristesse eindringlich erlebbar zu machen. „Tenebre“ ist auf jeden Fall sehenswert, auch wenn sich mir die Botschaft dieses Stückes nicht einprägsam vermittelt hat.

Different Dialogues“ von Nils Christe ist die zweite Uraufführung dieses Ballettabends.

Auch hier hören wir wieder die Violine als Soloinstrument, dieses mal in einem Konzert für Violine und Orchester sowie sinfonischer Musik von Philipp Glass.

Zwischen dieser Musik und dem Tanz entwickelt sich eine perfekte Symbiose und wir erleben Stimmungen von unterschiedlicher Prägung. Einerseits mit sprunghaften Bewegungen und Drehungen, die Kraft, Energie und Vitalität zum Ausdruck bringen. Andererseits mit getanzter Empathie, Intimität und Empfindsamkeit in eng umschlungenen, träumerischen Bewegungen, die Ausdruck tiefer Zuneigung zwischen zwei Menschen sind. Die elektrisierende Choreographie nutzt effektvolle Kostüme – die Tänzerinnen tragen weite Blusen, die Tänzer flatternde Hosen. Die Verwendung des blauen Farbcodes vermittelt Harmonie und ausgleichende Energie, die von der Bühne auf den Zuschauer übertragen wird. Der zum Abschluss nicht enden wollende Reigen von Pas des deux ist Wellness für die Augen und bildet den krönenden Abschluss eines Ballettabends, den ich für lange Zeit in sehr positiver Erinnerung behalten werde.

Weitere Informationen zu b.28:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/b-28.1047785

OpernscoutsUwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter

Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Weil ihn nicht nur das Kunsterlebnis, sondern auch der gemeinsame Austausch darüber bereichert, freut er sich jetzt auf den Dialog mit den Opernscouts.

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