Ralf Kreiten über „Young Directors“

Auf eine harte Probe gestellt

What Next_02_FOTO_Hans Joerg MichelAm vergangenen Samstag wurde ich, zum vorletzten Mal als Opernscout unterwegs, noch einmal auf eine harte Probe gestellt. Frei nach dem Motto „Eine Chance für junge Regisseure“ wurden von Tibor Torell und Philipp Westerbarkei zwei sehr unterschiedliche Opern-Einakter auf die Bühne gebracht. Allerdings drehen sich beide Stücke um Konversation.

In „What next?“ von Elliot Carter ist Konversation zwischen den Protagonisten quasi unmöglich. Nach einem Autounfall wissen sie nicht mehr in welcher Beziehung sie zueinander stehen, wo sie herkommen und wo sie hinwollen. Sie treiben dabei für mich wie auf einer zerstörten Insel ziellos durch einen unbekannten Kosmos (Bühne und Kostüme Ana Tasic haben mir dabei gut gefallen). Sie versuchen einander näher zu kommen und bleiben doch jeder für sich. Schlimmer noch, die Erkenntnis der Ausweglosigkeit macht sie schutzlos wie kleine Kinder. „Was passiert danach?“ Darauf gibt es wohl kein Antwort. Die Musik, die Elliot Carter im Alter von 90 Jahren geschrieben hat ist anstrengend, kompromisslos und komplex; manchmal aggressiv, manchmal aber auch angenehm. Jesse Wong leitet die Duisburger Philharmoniker präzise durch das schwierige Werk. Den Sängern ist großes Lob zu zollen, insbesondere Romana Noack als Mama. Ich fand es spannend zuzuhören und zuzuschauen; ich war aber auch erleichtert, als es nach 45 Minuten zu Ende war.

Auch bei „Trouble in Tahiti“ von Leonard Bernstein geht es um Kommunikation, Kommunikation aus der Konfrontation wird. Ein Ehepaar im Amerika der 50er Jahre, Vorstadtidyll, gut situiert, hat sich nicht mehr viel zu sagen und wenn, dann vorwurfsvoll oder im Streit. Gegenüber dem eigenen Kind und nach außen wird die Heile-Welt-Fassade aufrecht erhalten; im Innern flüchtet das Paar in Erinnerungen oder in andere, vermeintlich bessere Welten oder Beziehungen. Auch in diesem Stück suchen die Protagonisten nach Auswegen, nach einer Inselmagie – einem exotischen Sehnsuchtsort; nur, um am Ende alleine dazustehen. Leonard Bernsteins Komposition kommt zunächst wie ein Broadway-Musical daher und spricht mich als Zuhörer direkt an, dann wirkt sie auf mich jazziger (sehr gut hat mit hier das „Jazz-Trio“ gefallen) aber auch teilweise weniger harmonisch. Die Duisburger Philharmoniker, diesmal geleitet von Patrick Francis Chestnut, agieren auch hier äußerste präzise und unterstreichen sehr angenehm die Szenerien, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Besonders zu erwähnen die sehr gute Leistung beider Hauptakteure, Ramona Zaharia als Dinah und Thomas Laske als Sam. Noch einmal 45 intensive, aber auch entspanntere Minuten.

Weitere Informationen zu „Young Directors“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-directors.1047759

Opernscout Ralf Kreiten-1Ralf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld

Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

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