Martin Breil über „Young Directors“

Beide sehenswert

Trouble in Tahiti_05_FOTO_Hans Joerg Michel“Wovor hat die Welt am meisten Angst?“ fragt der Duisburger Sänger Tom Liwa auf seiner letzten CD und diese Frage stellt sich mir an diesem Abend gleich zweimal, denn es kamen gleich zwei Opern zur Aufführung, bei denen junge Regieassistenten der DOR selber Regie führten.
„Davor, dass der ganze Schwindel auffliegt und nichts anderes übrig bleibt als Gesang“ singt Liwa.

Teil 1

Bei „What next?“ von Elliott Carter mit Text von Paul Griffiths bietet sich dem Zuschauer auf der Bühne eine Endzeitstimmung nach einer nuklearen oder wie auch immer gearteten Katastrophe. Es gibt sechs Überlebende, die versuchen wieder Normalität herbei zu führen, was gründlich misslingt, da keiner mehr in der Lage ist, mit dem Nächsten vernünftig zu kommunizieren. Am Ende fallen alle in das Stadium eines Babys zurück. Der Zuschauer sitzt mit Ihnen auf einem Fragment Erde, dass vom Universum umkreist wird. Ein Lob dem einfachen wie großartigen Bühnenbild von Ana Tasic neben der genialen minimalmusic Elliott Carters und der starken Leistung der Sänger/innen. Dennoch, der Stoff ist nicht leicht zu verkraften.

PAUSE

„Wir sind alle unterwegs wegen dem, was wir als Kinder nicht kriegen“ singt Liwa.

Teil 2

Dinah und Sam haben es in Leonard Bernsteins Oper „Trouble in Tahiti“ „geschafft“. Der Traum vom Häuschen im Grünen, ein Kind, Arbeit, Auskommen und Wohlstand. Und doch, trotz allem und feierfreudigen Nachbarn, es ist „aus“. Dinah und Sam reden aneinander vorbei, der  Traum ist aus. Auch hier bleibt Beklemmung und Nachdenklichkeit im Raum, zu einem Thema, dass zu der Zeit, als Bernstein die Oper schrieb (Uraufführung 1952), nicht laut ausgesprochen wurde und heute aktueller denn je ist, obwohl es nur die Wenigsten wahr haben wollen. Der swingende Sound der Musik kann darüber nicht hinweg täuschen. Warum die Kostüme der Mode der Entstehungszeit der Oper entsprechen, erschließt sich mir nicht.

Für das Experiment „Young Directors“ gebührt der DOR großer Respekt. Zwei anspruchsvolle Produktionen, die ihr Publikum erst noch finden müssen. Sehenswert sind sie beide allemal.

Weitere Informationen zu „Young Directors“:
http://operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-directors.1047759

Opernscout Martin Breil-1Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau

Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

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