Kathrin Pilger über „Young Directors“

Zwei gelungene Inszenierungen

What Next_03_FOTO_Hans Joerg MichelAm vergangenen Samstag konnten die Opernscouts ein neues Format der Deutschen Oper am Rhein erleben: Unter dem Titel „Young Directors“ stellten die Nachwuchsregisseure Tibor Torell und Philipp Westerbarkei zwei eigene Inszenierungen einem größeren Publikum vor.

Das Thema des ersten Stückes mit dem Titel „What next?“ ist schwierig und beklemmend zugleich: sechs Beteiligte an einem Unfall können sich nicht mehr daran erinnern, was mit ihnen passiert ist. Auch können sie nicht erkennen, in welcher Beziehung sie zueinander stehen – fünf Erwachsene und ein Kind. Nur langsam finden sie die Sprache und Beweglichkeit wieder. Bis zum Schluss des Stückes, einem ausgesprochenen Alterswerk des amerikanischen Komponisten Elliott Carter, bleiben viele Fragen ungeklärt. Alles spielt sich unter einem Krater, der offenbar in eine Straße gerissen wurde, ab. Düster und fahl wie die Kulisse ist auch die Musik, schwer hör- und offenbar auch spielbar. Angesichts der dennoch interessanten Dialoge wäre dieses Werk auch als Theateraufführung gut denkbar.

Im Gegensatz dazu ist das zweite Stück, „Trouble in Tahiti“, geschrieben vom Meister des amerikanischen Musiktheaters Leonard Bernstein, leichte, gut konsumierbare Kost. Im amerikanischen Vorstadtidyll (Mutter – Vater – Kind im Reihenhaus) der 1950er Jahre wird der Zuschauer – geradezu in der unfreiwilligen Rolle eines Voyeurs –  Zeuge der gescheiterten Ehe von Dinah und Sam, die in aller Beliebigkeit dahinplätschert. Streitereien, Fremdgehen mit der Sekretärin, oberflächliches Partyvergnügen, Besuche beim Psychiater – nahezu alle Klischees werden bedient. Die fast populäre, natürlich an Broadway-Musicals erinnernde Musik, unterstreicht in ihrer gezwungenen Heiterkeit die Oberflächlichkeit der Beziehung, der sämtliche (offenbar früher einmal vorhandene) Tiefe abhanden gekommen ist.

Die Leistungen der Sängerinnen und Sänger überzeugen in beiden Stücken; die Duisburger Philharmoniker spielen souverän wie immer. Alles in allem sind beide Inszenierungen gelungen; vor allem das erste Stück ist aber sicherlich nicht Jedermanns Sache.

Weitere Informationen zu „Young Directors“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-directors.1047759

Opernscout Kathrin Pilger-2Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg

Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

 

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