Julia Kulig über „Young Directors“

What will be the next trouble in Tahiti?

What Next_07_FOTO_Hans Joerg MichelAn dem heutigen Opernabend sahen wir zwei Stücke.
Innerhalb des ersten mit dem Titel ‚What next?‘ von Elliot Carter finden wir sechs Menschen auf der Bühne, alle singen gleichzeitig, scheinen stark desorientiert. Wer sind sie? Was ist in den letzten Tagen oder Stunden geschehen, dass sie an diesem Ort – ziellos im Weltall? – versammelt sind. Die allgemeine Vermutung: Ein Unfall, auf dem Weg zu einer Feier. Das anfängliche wirre Durcheinandersingen ordnet sich, wir erhalten Einblick in die verschiedenen Menschen und ihren Vermutungen wer sie sind. Eine von ihnen, Stella, stellt sich als Opernsängerin dar, eine andere sieht sich als Sternenforscherin. Die Sänger machen innerhalb des Stückes interessante Metamorphosen durch – wir als Publikum erleben diese live auf der Bühne und müssen schwer überlegen: Wer ist diese Person? Wer war sie zuvor? Hier findet sich für mich die Überleitung zu dem zweiten Stück: „Trouble in Tahiti.

In dieser Oper erleben wir die Beziehung eines Ehepaars in den fünfziger Jahren. Wie viel Glück ist Sein und wie viel dessen ist nur Schein? Materieller Wohlstand, ein gemeinsames Kin… jedoch fehlt es an Gemeinsamkeiten und gegenseitigem Verständnis. Die Protagonisten durchleben einen Tag und wir begleiten sie. Beim Träumen, Fremdgehen, Sich-wieder-treffen und einander aus dem Weg gehen. Auch hier die gleiche Frage wie im ersten Stück: Was macht unsere Identität aus, wer sind wir und wer geben wir vor zu sein?

Während die Musik des ersten Stücks teils mein Gehör herausfordert, bin ich anschließend während des zweiten Stücks über die, teils sehr eingängigen, Melodien überrascht. Die Sänger beider Stücke hinterlassen bei mir einen guten Eindruck. Bei ‚What next‘ bin ich erstaunt über die Komplexität der Melodien, die Wechsel der Tonhöhen und die Fokussierung der Sänger während sie gleichzeitig singen. Innerhalb des zweiten Stücks gefällt mir das Zusammenspiel des Gesangs mit den schauspielerischen Handlungen sehr gut.

Für mich war dieser Abend eine interessante Mischung aus verschiedenen Stilrichtungen, die sich gemeinsam zu der Frage der Identität verbanden. What will be the next trouble in Tahiti?

Weitere Informationen zu „Young Directors“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-directors.1047759

Opernscout Julia Kulig-2Julia Kulig
Musiktherapeutin

In ihrer Arbeit als Musiktherapeutin setzt sich Julia Kulig mit ihren Patienten therapeutisch und kreativ mit dem Medium Musik auseinander. Daher freut sie sich, seit der Spielzeit 2014/15 als Opernscout Ballett- und Opernstücke besuchen und den Blickwinkel in Richtung anderer musikalischer und tänzerischer Ausdrucksformen erweitern zu können. Sie schätzt den Austausch mit den anderen Scouts sehr und ist gespannt, was sie in der neuen Spielzeit erwartet.

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