Kathrin Pilger über „Young Moves“

Absolut empfehlenswert

Foster_Rapture_01_FOTO_GertWeigelt

Das Projekt war ambitioniert und innovativ zugleich: am vergangenen Samstag präsentierten sechs junge Choreografinnen und Choreografen, allesamt Tänzer in der Schläpfer-Compagnie des Balletts am Rhein, zum ersten Mal eigene Choreografen vor einem großen Publikum. Wie schon die Nachwuchsregisseure (Young Directors) vor zwei Wochen, durften auch sie auf das „große“ Ensemble zurückgreifen und professionell besetzen und einstudieren. Diese idealen Rahmenbedingungen brachten ein beachtliches Ergebnis: sechs qualitativ hochwertige und anspruchsvolle Stücke kamen zur Aufführung, alle ganz verschieden, doch jedes für sich ein kleines Kunstwerk. Alle Stücke im Einzelnen zu besprechen, würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen. Daher soll im Folgenden auf zwei Choreografien näher eingegangen werden: Vom Verhältnis des Individuums zur Masse handelt das Stück „Fieldwork“, auf Deutsch „Feldforschung“ von Louisa Rachedi. Eine Gruppe von Menschen, die zu Beginn offensichtlich harmoniert bzw. deren Bewegungen im Gleichklang verlaufen, gerät zunehmend außer Kontrolle; einzelne Mitglieder, die versuchen sich zu befreien, werden aus der Gruppe zeitweise „verstoßen“, dann scheinbar wieder integriert. Am Ende scheitert jedoch die Gleichförmigkeit der Masse. Dazu passt die Musik aus der amerikanischen Fernsehserie „The Knick“ von Cliff Martinez bestens. Besonders beeindruckend ist auch die Choreografie von Michael Foster mit dem Titel „Rapture“. Unterlegt mit den Beats aus dem gleichnamigen Schlagzeugkonzert von Michael Torke werden die Tänzerinnen und Tänzer nahezu in ihren Bewegungen geschüttelt, was an Videos von Michael Jackson („Beat it“) vom Beginn der 1980er Jahre erinnert. Spektakulär ist dabei der Lichteinsatz auf der Bühne. Die ohnehin fahle Beleuchtung wird zeitweise so grell, dass die Protagonisten wie Scherenschnitte vor einem glühenden Hintergrund wirken. Ein großartiges visuelles Erlebnis!

Der Besuch des neuen Formats „Young Moves“, das leider nur wenige Aufführungstermine hat, ist absolut empfehlenswert, auch für Menschen, die noch nie ein Ballett besucht haben.

Weitere Informationen zu „Young Moves“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/young-moves.1047789

Opernscout Kathrin Pilger-2Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg

Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

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