Uwe Schwäch über „Die lustigen Weiber von Windsor“

Gelungene Inszenierung

LustigeWeiber_08_FOTO_HansJoergMichelWilliam Shakespeare ist nicht nur Schöpfer historischer Dramen und Tragödien sondern auch ein Meister der Komödie. Sein 1600 geschriebenes Stück Die lustigen Weiber von Windsor dient als Vorlage für die berühmte Verdi-Oper Falstaff und für die weniger berühmte komisch-fantastische Oper von Otto Nicolai, der den Titel der Shakespeare-Vorlage übernommen hat.

Schon der Einstieg in diesen Opernabend ist vielversprechend. Das mit der Ouvertüre gezeichnete Bühnenbild vermittelt eine geheimnisvolle Waldlandschaft und die Musik fesselt spannungsgeladen mit eindeutig hörbaren romantischen Zügen.

Die Bühne im 1. Akt ist eine Reminiszenz an die Biedermeierzeit und äußerst passend für die typische musikalische Frühromantik jener Epoche. Im Zentrum des Geschehens stehen die beiden wohlhabenden Bürgersfrauen Frau Fluth und Frau Reich. Beide sind eingebettet in ein kultiviertes Familienleben, in dem sie ihre traditionelle Rolle als Gesellschaftsdamen, in deren Haushalt reichlich Personal beschäftigt ist, tugendhaft ausfüllen. Die plumpen Annäherungsversuche des mittellosen Adeligen Sir John Falstaff sehen sie die beiden Damen als Gelegenheit, den gesellschaftlich dominanten Männern – sowohl ihren eigenen, von Eifersucht geprägten Gatten als auch dem dreisten Freier – Hörner aufzusetzen. Dieses Spiel wird im weiteren Verlauf in immer weiterführenden Irrungen und Wirrungen fortgeführt. Die Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf hält sich weitgehend an der Opernvorlage und nutzt kleine, humorvolle Details wie zum Beispiel vier als Wäscherinnen verkleidete Männer, die den aus einer List der beiden Damen in Not geratenen Falstaff vor einem Eifersuchtsdrama retten.

Unterhaltsam umgesetzt ist auch das Ringen dreier Kandidaten um die Hand der Jungfer Anna Reich: Abraham Spärlich, vermögender Junker und Favorit von Herrn Reich, Dr. Cajus, den von Frau Reich erwählten akademischen Schwiegersohn mit herrlich französischem Akzent und Sir Richard Fenton, mittelloser Herzbube der begehrten Anna.

Beide Erzählstränge finden in einem furiosen Finale im Wald von Windsor ihr Happy End, der als solcher auf der Bühne leider nicht wirklich erkennbar ist. Das ist eines der wenigen Mankos in einer insgesamt durchgehend konsistenten Inszenierung.

Musikalisch setzt die Oper auf eine angenehme Mischung schwungvoller Musik mit folkloristischen Marschelementen und romantischer Musik mit koloristischen Feinheiten, die insbesondere in den Arien von Anna Reich und ihrem favorisierten Verehrer Richard Fenton ein Highlight setzen. Der Tenor Ovidiu Purcel, der eben diesen Fenton mit Feingefühl und stimmlicher Klarheit verkörpert, die Sopranistin Anke Krabbe, die als Frau Fluth sehr heiter und mit Leichtigkeit brilliert sowie der Düsseldorfer Kammersänger Hans-Peter König, der den Bass Falstaff mit Inbrunst und Stärke darstellt, setzen der insgesamt sehr guten Besetzung die Krone auf. Zur gelungenen Aufführung tragen auch der Chor der Deutschen Oper und die von Axel Kober lebhaft und schwungvoll dirigierten Düsseldorfer Symphoniker bei.

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“:
http://www.operamrhein.de/de_DE/repertoire/die-lustigen-weiber-von-windsor.1047802

OpernscoutsUwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter

Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Weil ihn nicht nur das Kunsterlebnis, sondern auch der gemeinsame Austausch darüber bereichert, freut er sich jetzt auf den Dialog mit den Opernscouts.

 

 

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