Georg Hess über b.26

Leichtigkeit und Trauer

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Leichtigkeit und Trauer an einem Abend! Geht das?

Am Freitag war es dann soweit – Premiere meiner „Spielzeit“ als Operscout und dies gleich mit einem aus drei sehr unterschiedlichen Teilen bestehenden Ballettarrangement.

Die Aufführung im Düsseldorfer Opernhaus war für mich der allererste Ballettbesuch. Daher war ich sehr gespannt, ob es die Aufführung schaffen würde, bei mir Begeisterung zu entfachen.

Der Vorhang öffnete sich um 19.30 Uhr und zum Vorschein kam ein ganz schlichtes Bühnenbild, bestehend ausschließlich aus einem hellblauen Hintergrund, ähnlich einem wolkenlosen Himmel, um den ersten Teil des Abends zu präsentieren.

Die Düsseldorfer Symphoniker begannen Ihr Spiel zur Einleitung des „Bournonville Divertissement“ und hinterließen sofort den ersten besonderen Moment bei mir. Klassische Orchestermusik zu erleben, ohne auch nur einen einzigen Musiker zu sehen, wirkt auf mich als seltenen Operngänger immer wieder faszinierend.

Nach und nach füllten insgesamt fünf Tänzerinnen und fünf Tänzer die Bühne und boten eine sehr fröhliche Darbietung eines Tanzfestes, wie es um 1850 stattgefunden haben könnte, mit einer Vielzahl von federnden Sprüngen und kleinen, unglaublich schnellen Schritten und Beinschlägen, wobei der Oberkörper stets in absoluter Eleganz gehalten wurde. Unterstützt wurde der Ausdruck der Bewegungen und der Frohsinn der Aufführung durch die unterschiedlich pastellfarbenen, aber dennoch sehr harmonisch zusammengestellten tutu-ähnlichen Kleider der Tänzerinnen und der zum Ende hin in das „Tanzspiel“ integrierten Schellenkränze und Bänder.  Durch die durchweg helle (aber nicht störend wirkende) Beleuchtung der Bühne wurde es mir als Betrachter bestens ermöglicht, die technischen Herausforderungen des Balletttanzes zu verfolgen (und zu bewundern).

Für mich als „Neuling“ ein perfekter und leichter Einstieg in den spätsommerlichen Ballettabend.

Nach der ersten Pause begann „Dark Elegies“ des Choreographen Antony Tudor mit der Musik von Gustav Mahler, welches einen Trauerakt einer Gruppe von Dorfbewohnern über verstorbene Kinder in Szene setzt (aus Gedichten Friedrich Rückerts inspiriert).  Die Bühne benötigte diesmal wieder keine Elemente, war aber mit einem Hintergrundbild ausgestattet, welches einem dunklen Wolkenhimmel ähnelte. In der auch durch Beleuchtung unterstützten Dämmerungsstimmung begannen den Trauertanz sechs zunächst im Halbkreis sitzende Frauen in schlichten, unaufdringlichen Kleidern, welche nach und nach durch weitere Tänzerinnen und auch einige Tänzer unterstützt wurden. Die strengen Darstellungen der Darbietungen zeigten sehr gefühlsbetont die Trauer der Dorfbewohner über den Verlust ihrer Kinder. Unterstützt wurde die ganze Handlung durch einen am Rand der Bühne sitzenden Bariton als Erzähler.

Durch dieses zweite Stück war die anfängliche Leichtigkeit des Abends verflogen und nun zunächst eher einer Stimmung von Trauer und Beklemmung  gewichen.

Nach der Pause erwartete ich mit Spannung zum Abschluss „One“ von dem Choreographen Terence Kohler mit der Musik von Johannes Brahms. Schon das Bühnenbild ließ erahnen, dass es sich nun um ein modernes und zeitgenössisches Stück handelte. Auf der wieder in Dämmerlicht eingetauchten Bühne befanden sich mehrere  verschiebbare pure Quaderelemente, die mir zunächst ein bedrückendes Gefühl vermittelten, und gegen die in der Spielfolge die sehr große Zahl von Tänzern und Tänzerinnen immer wieder versuchte in verschiedenster Art anzugehen oder diese zu überwinden. Die Kostüme waren dieses Mal eher knapp und enganliegend und Wolkenstrukturen nachgebildet. Mir fiel besonders die Geschmeidigkeit der Darsteller und Darstellerinnen auf, die sich schnell oder in Zeitlupe wanden oder auch gegenseitig trugen zu der insbesondere zum Schluss hin aufgeladenen Musik. Die Handlung des Stücks erschloss sich mir leider nicht in einer Weise, dass ich hierüber jetzt berichten könnte – dies mag aber auch an meiner (noch) laienhaften Betrachtungsweise des Balletttanzes liegen.

Mich (als „Ballettneuling“) hat dieser Abend begeistert, besonders wegen der starken Darbietungen der Tänzerinnen und Tänzer und zudem der Unterschiedlichkeit der drei aufgeführten Werke. Besonders die Aufeinanderfolge von Bournonville’s „Bournonville Divertissement“ und Tudor’s „Dark Elegies“ hat mir deutlich aufgezeigt, zu welcher Schaffung von Stimmungslagen Ballett in der Lage ist und war für mich daher (aber auch nur in dieser Spielreihenfolge) eine mögliche und gute Zusammensetzung.

Einen persönlichen Favoriten möchte ich aus den Stücken des Abends nicht herausbilden, zum Einen weil man der Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer nicht gerecht werden würde und zum Anderen auch wegen der geringen Vergleichbarkeit der Stücke.

Auf den nächsten Premierenabend (dann eine Oper) bin ich schon jetzt sehr gespannt…

Weitere Informationen zu b.26

Georg Hess
Notarfachreferent

Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte er tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

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