Niko Budden über b.26

Ballett: Ein emotionales Erzählen

Ballett am Rhein Düsseldorf / Duisburgb.26 One   ch.: Terence Kohler

Vor der Premiere von b.26 am letzten Freitag habe ich noch keine abendfüllende Ballettveranstaltung besucht. Ich war mir nicht sicher, ob ich zu dieser anmutigen Kunst voller Körperspannung und Ästhetik mehr sagen könnte als „schön“ oder „langweilig“. Im Theater gibt es immer noch das Wort, Figuren und Charaktere als Zugang, bekannt aus dem Deutsch Leistungskurs. Da kann ich sagen, ich habe Hamlet nicht verstanden und im Notfall noch einmal googeln.

So zweifelte ich auch noch nach dem ersten Teil des dreiteiligen Ballettabends. Die Versatzstücke von „Bournonville Divertissement“ sind schön anzusehen, die Musik ist fröhlich und die Kleider bunt, doch angesprochen hat mich das Ballett des 19. Jahrhunderts nicht.  Zwar ist von brillanten Tanzsequenzen zu lesen, doch kann ich sie – noch nicht – entsprechend würdigen und vom Mittelmaß unterscheiden. Schön anzusehen war auch „Dark Elegies“, doch mehr noch, es wurde etwas erzählt. Daran konnte ich mich festhalten und das in Bewegung gegossene Innenleben dieser Menschen irgendwie verstehen. Das sture, klassische Ballett vom Anfang sieht man hier nicht mehr, viel offener sind die Bewegungen. Es ging um die Trauer einer Gruppe, der Tanz und die schlichte Kleidung in kräftigen Farben erinnerte an ein skandinavisches Volksfest. Am Ende kam es zu einer von Brahms begleiteten Dramatik beim letzten Teil „One“, fast alle Tänzer der Kompanie stehen auf der Bühne, die Choreographie beeindruckt. Bildgewaltig werden Mauern überbrückt. Wo man vorher größtenteils auf Bühnenbild verzichtete, stehen hier drehbare Quader, die in den Tanz mit eingebunden werden. Von einem Hänger abgesehen, mein Highlight des Abends.

Es ist das emotionale Erzählen, was bemerkenswert über den Körper funktioniert. Das moderne Ballett ist gar nicht so viel anders als gutes Theater, man ist emotional dabei und schaut talentierten Menschen zu, wie sie etwas erzählen. Oper und Ballett sind dort dem typischen Theater auch Welten voraus: Diese Menschen sind ganz unterschiedlicher Herkunft. Hier würde keiner hinterfragen, warum Hamlet jetzt ausgerechnet Asiate sein muss. Es wäre einfach so. Schön.

Weitere Informationen zu b.26

Niko Budden
Student

Für Theaterliebhaber Niko Budden bedeuten Ballett und Oper neue Seh- und Hörgewohnheiten, auf die der Student der Geschichte und Germanistik sich sehr gerne einlässt. Sein Engagement im Projekt  „Musiktheater im Labor“ der Jungen Oper bedeutete für ihn dabei den Einstieg in die Welt des Musiktheaters. Besonders auf die Ballettvorführungen ist Niko Budden gespannt, da er den Einstieg in die performative Kunst bisher immer über das Wort fand.

 

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