Jan van de Weyer über b.26

Drei Tanzepochen

Ballett am Rhein Düsseldorf / Duisburg b.26 One   ch.: Terence Kohler
Zur Eröffnung der neuen Spielzeit erwartet der Zuschauer des Ballett am Rhein ein abwechslungsreicher ‚Dreiteiler‘ aus drei unterschiedlichen Tanzepochen.
Auftakt bildet ein heiterer und lebhafter Bournonville von 1842.
Bei „Bournonville Divertissement“ wird gesprungen und zwar viel gesprungen- und hoch.
Faszinierend was für eine energiegeladene Lebensfreude die Tänzerinnen und Tänzer bei dieser körperlichen Höchstleistung transportieren. Dies wird durch das weite Ausbreiten der Arme unterstrichen. Es handelt sich um eine ausgelassene feiernde Gruppe, die Tänzerinnen mit bonbonfarbenen weit ausladenden Tutus, die Männer mit volkstümlich anmutenden Trachten. So wird sich auf der Bühne geneckt, geflirtet und man taucht in eine heitere und spielerische Tanzwelt voller Leichtigkeit ein.
Schauplatz ist das Blumenfest in Genzano, das alljährlich zu Fronleichnam in der Nähe von Rom stattfindet. August Bournonville hegte eine große Leidenschaft und Romantik für Italien. Musikalisch fühlte ich mich zeitweise an Johannes Strauss erinnert und als bei den Tänzern die Tamburine zum Einsatz kommen erlebt das Stück seinen Höhepunkt.
Das zweite Stück stellt eine wunderbare Symbiose aus drei verschiedenen Kunstformen dar- der Poesie, der Musik und dem Tanz. So schuf Mahler die tief ergreifenden „Kindertotenlieder“ zu den Texten von Friedrich Rückert, dessen beide Kinder an Scharlach starben. Antony Tudor transportierte das Thema von Verlust, Trauer und Schmerz mit „Dark Elegies“ in den Tanz. Das Bühnenbild sowie die Kostüme sind pur und schlicht gehalten, so dass der Fokus auf den kreisenden Bewegungen und starken Gesten der Tänzer liegt. Sehr stark das pas de deux von Marcos Menha und Virginia Segarra Vidal indem deutlich wird, dass man sich der Trauer nicht entziehen kann und dass der Schmerz gefühlt werden will. Dieses Momentum wird durch eine archaische und rituelle Bewegungssprache deutlich in deren Sog der Zuschauer hineingezogen wird.
Abschluss bildet das zeitgenössische Werk „One“ von Terence Kohler, das von der überwältigenden Musik von Johannes Brahms getragen wird. Eindrucksvoll die energiegeladenen Hebefiguren der Tänzer, die im ersten Satz viel Spannung aufbauen. Trotz des erkennbaren Potentials fällt die Intensität im weiteren Verlauf des Stückes ab, so dass die Choreographie unentschieden wirkt. Tänzerisch hervorragend die Leistung von Yuko Kato, die immer wieder mit Ihrem feinsinnigen Tanz überrascht.

Weitere Informationen zu b.26

Jan van de Weyer
Bildhauer

„Was Martin Schläpfer hier bewirkt, ist ein Traum“, sagt Jan van de Weyer, der als kleiner Junge selbst Ballett getanzt hat und heute mit einer Tänzerin der Compagnie liiert ist. Er studierte Philosophie und Kunstgeschichte, arbeitete viele Jahre als Physiotherapeut und ist heute als Bildhauer mit eigenem Atelier in Düsseldorf tätig. Die Beschäftigung mit der Oper hat ihn in seiner ersten Spielzeit als Scout dazu inspiriert, Musiktheater in einem größeren Kontext zu betrachten – gern auch im Austausch mit Freunden und Bekannten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s