Birgit Idelberger über „Die lustigen Weiber von Windsor“

Unzeitgemäße Thematik

lustigeweiber_14_foto_hansjoergmichelBei der Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ handelt es sich um eine komisch fantastische Oper, die inhaltlich an einem Lustspiel von Shakespeare angelehnt ist. Sie wurde mit der Komposition von dem Unbekannten Otto Nikolai 1849 uraufgeführt und erlangte Berühmtheit durch Verdis Vertonung als Oper Falstaff 1893.
Wir erlebten die Fassung Otto Nikolais, dessen wohlklingende, melodische und leichte Klänge uns durch lange 3 1/4 Stunden trugen. Dies war dann doch eine Geduldsprüfung am Freitagabend. Zumal das Thema meines Erachtens nicht mehr zeitgemäß ist und nur durch Kenntnis der Historie seiner Entstehung eine gewisse Berechtigung erlangt. Es war die Zeit des Biedermeier. Die Figur des Falstaff war dem damaligen Publikum bereits bekannt, nämlich als vor Lebenslust und Lebensfreude strotzender Trinker, der ohne gesellschaftliche oder moralische Grenzen allen Freuden des Lebens über die Maßen zusprach. Ein Kleinkrimineller als Gegengewicht zu dem Thronfolger Englands. Das kam beim Publikum gut an.
In dieser Oper nun erlangt Falstaff den zweifelhaften Ruhm eines harmlosen fettleibigen Trunkenboldes, der gleichzeitig zwei verheirateten Damen der Gesellschaft nachstellt. Dies tut er nur, um zu Geld zu kommen, stellt mit seinem Tun aber letztendlich das Gefüge der Ehen und schließlich der gesamten Gemeinschaft bloß. Diese finden nach langem Hin und Her wieder zueinander, um dann vereint den Sündenbock zu strafen und die Ordnung wiederherzustellen.
Tadellos war die Leistung aller Sänger, die stimmlich auf hohem Niveau gesehen werden dürfen. Auch wurden sie ihrer schauspielerisch, komödiantischen Rolle gerecht. Gut abgestimmt auch das Bühnenbild und die Kostüme sowie eine wie so oft gute Leistung der Philharmoniker.
Dennoch konnte ich dieses Thema des Geschlechterkampfes und der Gesellschaftskritik als Posse nicht unterhaltsam finden, was wegen der Leistung aller Mitwirkenden und Künstler traurig ist.

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“

 

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Birgit Idelberger
Frauenärztin
Birgit Idelberger ist in Duisburg aufgewachsen und seit 10 Jahren als Frauenärztin in Duisburg-Walsum niedergelassen. Sie geht gern ins Kino und besucht Kunstausstellungen, doch Bezug zum Theater hatte sie kaum – zur Oper schon gar nicht. Das ist jetzt anders: Offen und neugierig ließ sie sich auf ihre erste Saison als Opernscout ein. Auch ohne Theatererfahrung empfindet sie die Opern- und Ballettabende als persönliche Bereicherung und positive Erfahrung. Sie hofft, dass viele Menschen durch die Kommentare der Scouts neugierig werden und den Weg ins Theater finden

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