Kathrin Pilger über „Die lustigen Weiber von Windsor“

Alle Klischees bedient

lustigeweiber_08_foto_hansjoergmichelSir John Falstaff ist dick, trinkfreudig und verarmter Adel – kein wirklicher Frauentyp. Dennoch schreibt er fleißig Liebesbriefe, und das mit gleichem Wortlaut sogar an zwei Damen. Das fällt auf, sind doch Alice Fluth und Margarete Reich Nachbarinnen, die sich viel zu erzählen haben. Die beiden beschließen, sich zu rächen und so nimmt das Unglück des Sir John seinen Lauf. Es kommt zu Komplotten und Ränkespielen, in die auch die Ehemänner der beiden Damen (eindrucksvoll: der rasend eifersüchtige Herr Fluth) sowie Anna, die Tochter des Ehepaares Reich verwickelt werden. Anna soll nach dem Willen ihrer Eltern mit lächerlichen Heiratskandidaten verkuppelt werden, schafft es aber schließlich mit einer List, ihren eigenen Favoriten zu ehelichen. Das ganze Stück endet für Sir John tragisch im Sarg, wenn er auch bis zuletzt einen recht munteren Eindruck macht. Die komische Oper in drei Akten, „Die lustigen Weiber von Windsor“ (Otto Nicolai), die am vergangenen Freitag im Theater in Duisburg Premiere hatte, bediente alle Klischees des Genres und erforderte aufgrund ihrer Länge von über drei Stunden von den Zuschauern ein gutes Durchhaltevermögen. Diejenigen, die das schafften, werden allerdings belohnt: großartige Stimmen (v. a. die junge Sopranistin Anna Prinveca brillierte in der Rolle der Anna Reich), eingängige Melodien  des 19. Jahrhunderts und eine „Klamotte“ mit slapstickartigen Einlagen. Die Duisburger Philharmoniker spielten mit großer Begeisterung in gewohnter Qualität. Besonders hervorzuheben ist das eindrucksvolle Bühnenbild, das ganz in der Tradition der Romantik Motive des Malers Caspar David Friedrich aufgreifend, die Ruine einer gotischen Kirche zeigte. Alles in allem ein gelungener Abend, der absolut weiter zu empfehlen ist.

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg
Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

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