Jessica Gerhold über „Die lustigen Weiber von Windsor“

Harmloses Lustspiel als gelungener Spielzeitstart

lustigeweiber_04_foto_hansjoergmichelNach einer langen Sommerpause freute ich mich auf meine erste Opernpremiere in der neuen Spielsaison und wurde von Otto Nicolais komisch-fantastischer Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“,  adaptiert nach Shakespeares gleichnamiger Komödie, wunderbar begrüßt. Schon die erste Szene zog mich mit ihrem mystisch gestalteten Bühnenbild und der leicht untermalenden Musik in ihren Bann. Überhaupt möchte ich einmal feststellen, dass meine größte Erwartung eigentlich jedes Mal dem Bühnenbild gilt, da ich bis auf „Turandot“ noch nie enttäuscht wurde, sondern jedes Mal fasziniert, ob des Ideenreichtums oder der Umsetzung, bin. Bezogen auf das Stück fand ich es eine interessante Idee die Aufführung in die Zeit des Biedermeiers,  Nicolais Schaffenszeit, zu setzen. Leider muss ich aber sagen, dass, auch wenn ich die Inszenierung mit Interesse verfolgte, ich die musikalische Gestaltung für eine Shakespeare-Adaption viel zu harmlos und im wahrsten Sinne zu bieder, langweilig und ohne emotionale Spitzen empfand. Sie wurde meiner Meinung nach, nicht den derben Sprüchen, sexuellen Anspielungen und intelligenten Frauen und Wortwitzen des Originals gerecht. Aber Nicolai ist eben auch nur ein Kind seiner Zeit. In die heutige Zeit passt diese Inszenierung nicht mehr. Das Original bietet einfach so viel mehr Potential, das hier nicht ausgeschöpft wurde. Alle Künstler präsentierten ihre Rollen authentisch und mit wahnsinnig viel Energie. Mit besonderer Bewunderung verfolgte ich Frau Fluths Darstellung und starkem Gesang, sowie Sir John Falstaffs überzeugender fülliger Umsetzung. Schlussendlich empfehle ich die Oper aber dringend weiter, da ich sie trotz der langen Spielzeit als kurzweilig empfand, man viel über die Biedermeierzeit lernt, ein fantastisches Orchester, Bühnenbild und großartig sympathische Künstler auf der Bühne sieht. All diese Komponenten verhalfen mir, dass aus diesem harmlosen Lustspiel insgesamt ein gelungener Start in die neue Spielzeit wurde.

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Jessica Gerhold
Gymnasiallehrerin
Jessica Gerhold ist gebürtige Duisburgerin und arbeitet als Gymnasiallehrerin. Von jeher hat sie sich für das Theater interessiert.  Bei ihrer Berufung zum Opernscout war sie eher skeptisch, ob sich ihre bisher eher distanzierte Haltung zu Oper und Ballett verändern würde. Nach ihrer ersten Spielzeit sind die Zweifel verflogen. Sie ist stolz auf das, was in ihrer Heimatstadt geleistet wird und hofft, dass sich zukünftig viel mehr Menschen von der Leistung der Künstler live faszinieren lassen.

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