Stephanie Küthe über „Die lustigen Weiber von Windsor“

Ein Abend, der gute Laune macht

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Es ist ein komisch-fantastischer Abend, der den Zuschauer erwartet. Otto Nicolai spannt mit seiner heiteren Spieloper musikalisch den Bogen vom leichten Stil eines Rossini bis hin zur Jagd-Romantik eines „Freischütz“. Diesen Bogen greift Dietrich Hilsdorf in einer durchweg unterhaltsamen Inszenierung auf. Er nimmt uns mit in die Entstehungszeit seines Werkes und setzt die heitere Spieloper in pompöse romantische Schauplätze. Die Transformation in die Zeit des Biedermeier geht voll und ganz auf. Die lustigen Weiber genießen es in vollen Zügen, aus ihrem spießbürgerlichen Leben auszubrechen und sonnen sich selbstzufrieden und ausgelassen in ihren Späßen, wenn auch auf Kosten des dicken Sündenbocks Falstaff. Man versteckt sich hinter vermeintlicher Familienidylle und zeigt auf den Anderen, um die eigenen Laster zu verbergen. Die Wollust und Trinksucht, die man ihm vorwirft, wird vom gesamten Bürgertum selbst gelebt. Hier ist Hilsdorf in seinem Element, inszeniert selbst die großen Massenszenen bis ins kleinste Detail, mit dem unverfroren schamlosen Humor, den man von ihm kennt. Im ersten Teil steht der Alkohol im wahrsten Sinne des Wortes im Vordergrund, es wird fröhlich gebechert und großzügig nachgeschenkt, obwohl Frau Fluth am Anfang völlig selbstüberzeugt klarstellt „Ich trinke nie!“. Nicht nur der Spaß der Weiber über ihre intriganten Pläne steckt an, zu gerne möchte man mit ihnen darauf anstoßen. Der zweite Teil wird von Hilsdorf kurzerhand vom Gasthof in eine Kapelle mitsamt Beichtstuhl verlegt. Wer ihn kennt, weiß gleich zu Beginn der Szene, dass es hier alles andere als frömmelnd zugehen wird – eigentlich schade, hier hätte ich mir mehr erwartet als nur den Rückgriff auf alte Inszenierungsideen. Trotzdem überzeugt die Umsetzung. Das Trinkgelage, eine weitere Intrige gegen Falstaff und das Aufeinandertreffen der Jungfer Anna mit gleich dreien Ihrer Verehrer wirken in dem krassen Kontrast zur „heiligen“ Umgebung noch komischer. Hier zeigt Hilsdorf anschaulich und provokativ, wie es um die moralischen Werte des Bürgertums wirklich bestellt ist. Der dritte Teil ufert schließlich in dem kollektiven Verhöhnen des Sündenbocks Falstaff aus. Ort des Geschehens ist eine düstere Burgruine im Wald, die fantastisch zu dem Jagdthema in Nicolais Musik und der Ballade vom schauerlichen Jäger Herne passt, die hier zitiert wird. Die Art und Weise wie Falstaff in dieser Kulisse von einer eindrucksvollen Masse aus Chor, Solisten und Statisterie in gruseligen Kostümen attackiert wird, wirkt außerordentlich bedrohlich. Am Ende wird Falstaff zwar verschont, seine Aussage bleibt aber als Botschaft zum Nachdenken stehen: „Ich bin am Boden; die Ignoranz in Person setzt sich als Maßstab über mich.“ Bei aller oberflächlichen Unterhaltsamkeit dieser Spieloper eine starke Aussage, die durchaus Aktualität besitzt. Die musikalische Umsetzung beeindruckt von vorne bis hinten, Axel Kober verleiht dem Abend die gewünschte klangliche Spritzigkeit. Aus der Reihe der Solisten sticht vor allem Heidi Elisabeth Meier mit Ihrem brillanten Sopran heraus. Aber auch der in Wirklichkeit gertenschlanke Thorsten Grümbel füllt mit seiner Stimme den massigen Schaumstoffkörper des Falstaff beeindruckend überzeugend aus. Schauspielerisch und gesanglich herausragend ist auch mal wieder der Chor der Deutschen Oper am Rhein. Gewohnt zuverlässig zeigen sich auch die Duisburger Philharmoniker.

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.Stephanie Küthe
Event-Managerin
Seit ihrer Kindheit sei sie von der Oper fasziniert, sagt Stephanie Küthe, die keine Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein verpasst. Ihre Leidenschaft fürs Musiktheater führte sie bereits zu Jobs in der Dramaturgie, beim Bonner Opernmagazin und, nach einem Studium der Musikwissenschaften, in die Musicalbranche. Nun singt sie mit Begeisterung im Chor und freut sich darauf, als Opern- und Ballettscout noch tiefer in die Welt der Oper einzutauchen.

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