Heike Stehr über „Die lustigen Weiber von Windsor“

Unentschlossene Inszenierung

lustigeweiber_09_foto_hansjoergmichel„Komisch-fantastische Oper in drei Akten“ lautet der Untertitel der „Lustigen Weiber von Windsor“ und mein Opernlexikon kündigt mir eine Mischung der alten Traditionen der komischen italienischen Oper mit den zur Entstehungszeit des Werkes noch relativ jungen Traditionen der phantastischen Oper, wie sie seit der Romantik in Deutschland beliebt war, an. Hinzu kommen gesprochene Dialoge, die der Tradition des deutschen Singspiels entstammen. „Deutsche Schule muss da sein, das ist erste Bedingung, aber italienische Leichtigkeit muss dazu kommen“, so notiert der Komponist Otto Nicolai 1835 in seinem Tagebuch.
Ausgerüstet mit diesem Wissen geht‘s in die Deutsche Oper am Rhein Duisburg zur Vorstellung. Im 1. Akt landen die Zuschauer von Dietrich W. Hilsdorfs Inszenierung direkt in der Zeit des Biedermeier im Wohnzimmer der Frau Fluth. Ein stimmiges Bühnenbild und passende Kostüme komplettieren die Atmosphäre. Die Stimmen von Heidi Elisabeth Meier und Katarzyna Kuncio, die die Damen Fluth und Reich verkörpern, ziehen mich direkt in ihren Bann. Sekt trinkend freuen sie sich des Lebens und schmieden Pläne, wie sie sich an Falstaff rächen können, der ihnen Liebesbriefe im Copy-&-Paste-Verfahren schrieb. Besonders in den Duetten brillieren die beiden. So weit, so gut … denn dann ist der erste Pepp des Abends verflogen und die Längen beginnen.
Irgendwie unentschlossen fühlt sich die Inszenierung für mich an. Die unterschiedlichen Versatzstücke und Einfälle scheinen mir kein Ganzes zu ergeben.
Der Widerspruch zwischen dem düster-romantischen Caspar-David-Friedrich-Bild zu den fröhlichen Ouvertüre-Klängen am Beginn und dem Zucken des Erhängten im Hintergrund fasziniert mich noch und lässt mich hoffen. Aber als drei und eine Viertelstunde später die Bürger von Windsor in Ku-Klux-Klan-Kostümen auftreten und auch ein Horrorclown nicht fehlt ist meine Geduld irgendwie erschöpft. Ich kann mir ja denken, was der Künstler mir damit sagen will, aber die Kunst mich zu berühren erreicht er an diesem Abend nicht. Das bleibt an der Oberfläche und geht nicht tief. So stehen die lustigen Weiber fröhlich vereint mit ihren Ehemännern, mit denen sie aber doch so gar nicht glücklich sind, als der Vorhang fällt.
Und wenn der Schriftsteller Ludwig Pfau in seinem Gedicht „Herr Biedermeier“ 1847 schrieb: „Sein Wahlspruch: Weder kalt noch warm“ – dann scheint mir das leider auch für diese Inszenierung zuzutreffen, schade!

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Heike Stehr
Erzieherin
Kunst spielt in Heike Stehrs Leben eine große Rolle: Neben ihrer Arbeit als Erzieherin in einer KiTa macht sie eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin und betreibt den Blog http://kunstlebendig.blogspot.de. Sie besucht besonders gerne Ausstellungen, Programmkinos, Theaterstücke, Konzerte und Ballett. Auf den Bereich Oper, der für sie weitgehend Neuland ist, ist sie aber sehr gespannt. Sie freut sich, als Opern- und Ballettscout Kunst erleben und ihre individuellen Eindrücke an andere weiter geben zu können.

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