Ralf Kreiten über „Die lustigen Weiber von Windsor“

Ein entspannter, aber auch langer Opernabend

lustigeweiber_08_foto_hansjoergmichel

Endlich mal wieder eine Oper, bei der ich nicht ständig darüber nachdenken musste „Was soll mir das ganze eigentlich sagen?“. Es gibt sicher Kritiker, die in der Geschichte der „Lustigen Weiber von Windsor“ eine verstaubte und langweilige Biedermeieroper sehen;  mir hat die komisch-fantastische Oper von Otto Nicolai aber doch sehr gefallen. Bereits bei der Ouvertüre spricht mich die sehr melodische Musik in Verbindung mit dem fantasie- und effektvollen Bühnenbild von Dieter Richter an. Nur die Darstellung der Hängung des Jägers Herne überrascht mich, da ich für diesen Abend kein düsteres Grusel-Spektakel sondern eine Opera buffa erwartet habe. Die kommt dann aber doch mit der Geschichte über den verarmten und verfressenen Sir John Falstaff,  der zwei Nachbarinnen, Frau Fluth und Frau Reich, den gleichen Liebesbrief schreibt. Die beiden nutzen dies nicht nur, um dem Dicken eine Lehre zu erteilen, sie führen auch den eifersüchtigen Ehemann von Frau Fluth vor, denn beide sind in ihren Ehen auch nur mäßig glücklich. Komplettiert wird die Geschichte mit der geplanten  Vermählung  von Tochter Anna Reich mit einem der beiden Favoriten der Eltern, Dr. Cajus, (Günes Gürle -herrlich komisch mit französischem Akzent) oder Junker Spärlich, dabei liebt Anna doch den armen Schlucker Fenton. Dietrich W. Hilsdorfs Inszenierung ist bildgewaltig und zeigt uns die Schwächen, gar Abgründe,  des biedermeierlichen Bürgertums sehr genau.  Aber es muss eben nicht das größte Stück sein, um einen großen Abend erleben zu dürfen. Biedermeier eben, im Bild, in den Kostümen und in einer verspielten, aber treffsicheren Inszenierung. Die musikalische Seite gelingt dazu noch außerordentlich gut. Dass Generalmusikdirektor Axel Kober von der Musik schwärmt, merkt man daran, wie er die Duisburger Philharmoniker sowohl bei den heiteren als auch bei den dunkleren Momenten der Oper gekonnt führt. Ein Glücksgriff ist Thorsten Grümbel mit seinem starken Bass, der zwar nicht die Figur des Fallstaff besitzt (und dafür in einen Fatsuit schlüpfen muss), dank dem der Zuschauer dem kauzigen Schürzenjäger trotz seiner vielen Fehler aber auch Sympathie abgewinnen kann. Ideal besetzt auch die beiden Weiber, Heidi Elisabeth Meier als Frau Fluth und Katarzyna Kunico als Frau Reich. Komödiantisches Spiel und, im Duett singend, wunderbar stimmlich zueinander passend. Auch die weiteren Sängerinnen  und Sänger haben zu dem sehr angenehmen Abend beigetragen; besonders hervorzuheben noch die hervorragende Anna Princeva als Jungfer Anna Reich und Tenor Jussi Myllis als Fenton. Der Chor hat berückend schöne Momente . Ein langer Opernabend bietet viel Zeit für viele schöne Erlebnisse und die hat man bei dieser Oper dann auch.  Deshalb sollte man, auch als Opernlaie, unbedingt hingehen.

Weitere Informationen zu „Die lustigen Weiber von Windsor“

Opernscout Ralf Kreiten-1Ralf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld
Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

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