Roland Schüren über „Der Graf von Luxemburg“

Wie lange kann man grinsen, ohne es selbst zu bemerken?

der_graf_von_luxemburg_15_foto_hans_joerg_michelUnd wie zur Hölle duftet Trèfle Incarnat den jetzt? Upps, ich fange ja hinten an, mit meinem Text zum Grafen von Luxemburg. – Der Reihe nach…
Operette: Die Handlung sei immer gleich, es gäbe Intrigen, Liebschaften und immer ein Happy End. Mit diesem Fazit entlässt mich die Einführung in meine erste Operette. Nach „Otello“ also jetzt was Triviales? Im ersten Akt fühlte ich zunächst eine Bestätigung dieser Behauptung. Außer der gelungenen, spaßig-temporeichen Körpermalerei-Szene in Juliettes und Armands Wohnung, hat mich der erste Akt nicht gerade vom Hocker gehauen. Ein „Aha“ gab es, als die Equipe das zuvor live entstandene Riesen-Körpergemälde hochhebt und es so dem Publikum präsentiert. Aber dann, nach der Pause der zweite Akt: Ein überragendes Bühnenbild. Kurzweil und Tempo. Das Theater, in dem der zweite Akt spielt, ist bühnentechnisch ein Quader, der, rotierend, immer wieder ein anderes Zimmer oder zum Beispiel den Theatereingang preisgibt. Dieser permanente Wechsel lässt im Kopf des Operngängers vier parallele Handlungen entstehen. – Klasse! Ich bekomme Spaß an der leichten und lustigen Kost. Das wird dann im dritten Akt sogar noch getoppt:
Ein grandioses Finale kündigt sich an. Zuerst der bekannte TV-Schauspieler Oliver Breite in seiner Mehrfachrolle des  Ménagers  des Hotels, in dem dieser Akt spielt. Er muss wegen des durchgeführten Personalabbaus den Laden ganz alleine schmeißen und schlüpft samt passender Kleidung immer wieder in die jeweils nötige Rolle des Hausmeisters, des Pagen, des Rezeptionisten und der Kellnerin. Für mich wirklich unerwartet in einer Operette und sehr, sehr spaßig! Dann läuft die russische Gräfin Stasa Kokozowa im Hotel auf, der Fürst Basil Basilowitsch bereits die Ehe versprochen hatte. Und plötzlich beamt die Gräfin diese Operette von 1909 in das späte Jahr 2016.  Nicht nur ich staune, das Publikum ist wirklich überrascht über Kokozowas ganz aktuelles Lied, welches die heutige Politik und die heutige Gesellschaft lässig kritisiert und deutlich belächelt. Plötzlich bin ich hellwach-überrascht, dann kurz verstört und letztlich total begeistert. – Was für eine Hinleitung zum grandiosen Finale mit dem gesamten Ensemble auf der Bühne. Der dritte Akt ist richtig, richtig gut. Das Stück wird mit jedem Akt besser. Irgendwann im dritten bemerke ich ein komisches Gefühl in meinem Gesicht. Die Wangen, direkt unter den Augen sagen mir, dass ich schon länger vor mich hin lächeln muss. Ein Dauergrinsen hat sich eingestellt. Geht es den anderen Zuschauern auch so? Ich schaffe es, mich kurz von der Aufführung zu lösen und ein paar Blicke nach rechts und links ins Publikum zu werfen. Wer grinst sich wohl ebenso wie ich durch den dritten Akt? – Das nicht repräsentative Ergebnis: Drei von Fünfzehn. Bin ich jetzt naiver Neuling oder sind die zwölf anderen einfach nur Spaßbremsen? – Egal, es reicht mir zum Weitergrinsen…
Was mich aber jetzt wirklich brennend interessiert: Wie roch wohl Trèfle Incarnat? Was für ein wohlklingender klingender Name! Ein 1898 kreiertes Parfum, in dem erstmals künstliche Duftstoffe verwendet wurden, führt  Angèle und René zueinander und macht das Happy End erst möglich. Leider wird es nicht mehr produziert. Dank des „Grafen von Luxemburg“ kann ich seine Duftnote wenigstens erahnen…
Top: Bo Skovhus als Graf René Graf von Luxemburg, Lavinia Dames als Juliette, Oliver Breite als Ménager und Susan Maclean als Gräfin Stasa Kokozowa.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

Opernscout Roland SchürenRoland Schüren
Inhaber der Bäckerei „Ihr Bäcker Schüren“
Bereits in vierter Generation führt Roland Schüren den Familienbetrieb „Ihr Bäcker Schüren“ mit Hauptsitz in Hilden. Mit seinem Anspruch an Qualität, Produktvielfalt und Nachhaltigkeit gilt er als einer der besten und innovativsten Handwerksbäcker in Düsseldorf und der Region. Ihm und seinen Bäckern macht es Spaß, alles selbst herzustellen – ohne Fertigmischungen und Massenproduktion, dafür mit viel Zeit und handwerklichem Können. Da gibt es Parallelen zu unserem Opern- und Ballettbetrieb …

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