Uwe Schwäch über „Der Graf von Luxemburg“

Musikalische Interpretation mit großer Strahlkraft

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Die lange Zeit als verstaubt angesehenen Operettenkomödien erleben auf deutschen Opernbühnen eine Renaissance und so gelangen wir auch in dieser Spielzeit an der Deutschen Oper am Rhein mit Franz Lehárs „Der Graf von Luxemburg“ in den Genuss einer der bekanntesten deutschsprachigen Operetten.
Gleich zu Beginn eröffnet sich eine wilde und exzessive Ölfarbenschlacht zwischen Juliette und Armand. Dabei wird schnell spürbar, dass sich dieser Operettenabend in eine frische, freche und stimmungsvolle Richtung entwickeln wird. Wir treffen immer wieder auf Situationskomik, die den Rand des gesellschaftlichen Klamauks streift. Glücklicherweise verleiht die musikalische Interpretation dieser Operette spürbare Stabilität. Allen voran Bo Skovhus, der den Grafen von Luxemburg wunderbar kraftvoll in Szene setzt, sowie Juliane Banse (Angèle), Cornel Frey und Lavinia Dames, die als Armand und Juliette den Operettenschlager „Mädel klein, Mädel fein“ herzerfrischend und mit strahlenden Stimmen zum Besten geben.
Die Inszenierung von Jens-Daniel Herzog ist mit reichlich Witz und Ironie angelegt und dabei mit gesellschaftlichen als auch politischen Petitessen ausgestattet. Die künstlerische Umsetzung polarisiert und als Zuschauer verarbeitet man die Vielzahl unterschiedlicher Eindrücke mit gemischten Gefühlen. So bietet das schlicht gehaltene Bühnenumfeld wenig Glanz im Bohème-Milieu, wogegen dank turbulenter Drehbühnentechnik heitere und abwechslungsreiche Momentaufnahmen der komödiantischen Handlung vermittelt werden.
Herzog hat viele kleine Details eingebaut – mal feinsinnig mal grobkantig, mal kreativ, mal übertrieben. Es ist viel zu sehen und so wird es in dem schnell durchschaubaren unmoralischen Handlungsstrang nie langweilig.
Die Strahlkraft der rhythmischen Melodien und rauschenden Bögen wird durch ein feuriges Orchester eher überhöht als fein illustriert – aber auch das passt zu diesem Operettenabend.
Am Ende schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Berauscht von hervorragend gesungenen Operettenschlagern – zweifelhaft belustigt durch eine am Rande des Klamauks geführte Inszenierung.

Mehr zur Operette „Der Graf von Luxemburg

Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

 

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