Georg Hess über „Der Graf von Luxemburg“

Weder Fisch noch Fleisch?

der_graf_von_luxemburg_12_foto_hans_joerg_michelHier bin ich nun auf meiner Erkundungstour durch die „Welt der Düsseldorfer Oper“ nach Ballett und Oper bei der Operette (laut Wikipedia „ein musikalisches Bühnenwerk“) angelangt. Auf dem Programm steht das Stück „Der Graf von Luxemburg“ von Franz Léhar, welches erstmals vor über hundert Jahren, nämlich 1909, aufgeführt wurde.
Der Inhalt ist schnell zusammengefasst: Ein verarmter Graf (René Graf von Luxemburg) stellt sich gegen großzügige Entlohnung eines Fürsten (Basil Basilowitsch) für eine kurze Ehe mit einer bürgerlichen Sängerin (Angèle Didier) zur Verfügung um diese in den Adelsstand zu heben, damit sie sich hiernach mit dem Fürsten verehelichen kann. Der Graf und die Sängerin finden aber selbst Gefallen aneinander. Der Fürst möchte sich damit nicht arrangieren, muss aber schließlich auf Befehl des Zaren eine alte Gräfin (Stasa Kokozowa) heiraten. Das gute Ende für den Grafen und die Sängerin ist schließlich gesichert.
Die Story hört sich also sehr nach Komödie und Ohnsorg-Theater an. Für mich passt dies zunächst nicht zu opernähnlicher Musik und Gesang. Dem Regisseur Jens-Daniel Herzog gelingt es dennoch hervorragend mit dem seichten Stoff, welcher über drei Akte und somit über fast drei Stunden verteilt ist, den Zuschauer/-hörer zu unterhalten, indem er die einfache Handlung akzeptiert, in die Gegenwart überträgt und mit reichlich Kitsch und Trash mit Farbschlachten, Russenmafia, frivolen Damen (und Herren) sowie reichlich groteskem Wortwitz bestückt. Beste Unterstützung erhält er hierbei durch den Bühnenbildner Mathis Neidhardt und die Kostümbildnerin Sibylle Gädeke, die mit zahlreichen detailreichen Bühnenbildern (wobei auch die Möglichkeiten der Drehbühne einen Höhepunkt darstellen) und vielen extravaganten Kostümen die skurrile und absurde Szenerie zusätzlich persiflieren.
Musikalisch setzten für mich mit Unterstützung der Düsseldorfer Symphoniker der Graf als Titelheld (gespielt durch Bo Skovhus) und die Gräfin, die im dritten Akt durch Susan Maclean ihren Auftritt findet, die Höhepunkte. Warum Letztere jedoch ihren  gesanglichen Part auch noch mit einem Ausritt in die trumpsche und sonstige Weltpolitik ergänzen musste, hat sich mir nicht so recht erschlossen.
Schauspielerisch und komödiantisch war für mich Oliver Breite der Star des Abends, der sich im wahrsten Sinne des Wortes in zahlreiche Kostüme „zwängte“, sichtlich sich verausgabte und hervorragenden Wortwitz souverän zum Besten gab.
Insgesamt war diese Mischung aus Komödientheater („Fisch“) und klassischer Musik („Fleisch“) ein unterhaltsamer Abend in der Oper am Rhein, der mich und meine Begleitung am Schluss mit wenig Schwere sondern eher viel Leichtigkeit in die Nacht entließ.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

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