Kathrin Pilger über „Der Graf von Luxemburg“

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Melodien mit Ohrwurmcharakter

Er ist ein Lebemann und hat sein ganzes Vermögen durchgebracht: René Graf von Luxemburg steht mit dem Rücken an der Wand. Da kommt ihm der Deal mit dem reichen Fürsten Basil Basilowitsch sehr gelegen, soll er doch nichts weiter tun, als dessen bürgerliche Geliebte, die Sängerin  Angèle, zum Schein zu heiraten, um sich – so ist der Plan – nach drei Monaten scheiden zu lassen und ihr auf diese Weise den Adelstitel zu verschaffen. Dann stünde einer Heirat ihrerseits mit dem Fürsten Basilowitsch nichts mehr entgegen. Dafür soll René ein Honorar von 500.000 Francs erhalten. Gesagt, getan: Die Heirat findet als anonyme Zeremonie statt, ohne dass die beiden Neuvermählten sich sehen können. René bekommt das Geld, das er sofort wieder mit seinen Freunden verprasst. Doch etwas ist geblieben: Während der Hochzeit hat er sich in seine fremde Braut, von der er nur eine Hand zum Ringtausch und ihren Duft zu spüren bekam, verliebt und begibt sich nun auf die Suche nach dieser geheimnisvollen Frau. Wie es das Genre verlangt, gibt es nach etlichen Irrungen und Wirrungen ein Happyend. Bis dahin sind allerdings viele Hindernisse zu überwinden…
Franz Lehárs Operette „Der Graf von Luxemburg“, die 1909 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde und die nun am vergangenen Donnerstag im Theater Duisburg Premiere feierte, ist bis ins Detail liebevoll inszeniert. Ein bunter Strauß von Nebenfiguren und –handlungen schmückt sozusagen die Haupthandlung, das ganze Stück zeigt sich als einziges Kostümfest, opulent bis ins Bühnenbild. Das Stück lebt von der ironischen Brechung teils banaler Realitäten. In diesem Zusammenhang sehr witzig ist der Einsatz des Schauspielers Oliver Breite in einer multiplen Sprechrolle: Aufgrund von angeblichem Personalmangel muss er gleich in fünf verschiedene Rollen schlüpfen, unter anderem in die des Hausmeisters, des Portiers und der Kellnerin (!). Belebend ist der Wechsel von gesprochenen und gesungenen Dialogen – viele der fröhlichen Melodien haben Ohrwurmcharakter. Die gesangliche Qualität  des Ensembles bewegte sich durchgehend auf hohem Niveau, die musikalische Begleitung durch die Duisburger Philharmoniker wirkte spritzig und leicht.
Alles in allem ist das Stück sehr empfehlenswert, besonders für Menschen, die einem Opernbesuch aufgrund der oft tragischen Geschichten in klassischen Opern eher skeptisch begegnen.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg
Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

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