Ralf Kreiten über „Der Graf von Luxemburg“

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Leicht durchschaubare Liebesgeschichte mit ernstem Hintergrund

Die Operette aus dem Jahre 1909 erzählt von einer zur damaligen Zeit nicht standesgemäßen Liebesbeziehung: Der insolvente René, Graf von Luxemburg, willigt ein, gegen Zahlung einer halben Million, die bürgerliche Operndiva Angèle Didier zum Schein zu heiraten, damit diese in die höheren Kreise aufsteigen und nach einer Scheidung (in 3 Monaten) den russischen Grafen Basil heiraten kann. Doch René erkennt seinen Identitätsverlust und die in ihm aufflammende Liebe zu der Frau, die er bei der Hochzeit nicht sehen, sondern nur an der Hand berühren durfte; der Beginn einer operettentypischen Liebesbeziehung.
Jens-Daniel Herzog nimmt das Stück in seiner Inszenierung aber nicht auf die leichte Operettenschulter, sondern will uns auch die ernsten Töne der Geschichte deutlich machen. Dabei ist der Grad zwischen Klamotte, Tragödie oder Rührstück schmal; meist findet er den richtigen Weg, manchmal rutsch er mir, wie bei den Slapstick-Einlagen der russischen Mafiabande des Grafen oder bei den Auftritten (in fünf Rollen) des Schauspielers Oliver Breite), zu sehr in den Klamauk ab; der teilweise tagesaktuelle Bezug hat mir dagegen gut gefallen und entspricht ja auch dem Operettengenre. Diskussionswürdig ist in dem Zusammenhang aber wohl die Farb-Schlacht im Quartier der befreundeten Bohemiens; der Sinn hat sich mir nicht erschlossen – witzig fand ich es allemal.
Das von Mathis Neidhardt entworfene Bühnenbild, vor allem mit der häufig kreisenden Drehbühne, ist faszinierend und passt hervorragend zur Story.
Musik war auch. Zwar bietet diese Lehár-Operette keine Gassenhauer, trotzdem ist die Musik eingängig, mal leicht, mal mit mehr Nachdruck und von den Duisburger Philharmonikern, geleitet von Lukas Beikircher, souverän gespielt. Bo Skovhus in der Titelrolle kommt mit seiner kräftigen Tenorstimme erst im Laufe des 2. Aktes auf Touren, wirkt für mich aber auch da noch manchmal angestrengt. Viel besser hat mir da Juliane Branses lyrischer Sopran in der Rolle der Angèle Didier gefallen. In ihren Duetten harmonieren beide aber ausgezeichnet. Mit ihrem späten, aber sehr schwungvollen Auftritt löst die Gräfin Stasa Kokozowa den Knoten aller Verwirrungen und diesen Auftritt macht Doris Lamprecht zu einem einmaligen Erlebnis; herrlich! Mit dem durchweg exzellent agierenden Ensemble schwingt sich „Lehár – Schwung und Schmäh“ durch das Duisburger Haus.
Klamotte, Tragödie oder Rührstück? Entscheiden Sie selbst.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

Opernscouts
Ralf KreitenRalf Kreiten
Abteilungsleiter Sparkasse Krefeld
Schon vor 30 Jahren hat Ralf Kreiten über ein Theaterabo seine Liebe für die klassische Musik, besonders für die Oper, entdeckt. Seit 4 Jahren Duisburger, genießt er jetzt das kulturelle Angebot der Stadt, insbesondere die Aufführungen der Deutschen Oper am Rhein. Über seine Tätigkeit als Opernscout bekommt er jetzt auch einen Zugang zum Ballett, oft ist er sogar sehr begeistert. Diese Erfahrung gibt er gerne an andere Duisburger weiter, um vielleicht auch deren Interesse zu wecken Neues zu entdecken.

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