Astrid Klooth über „Der Graf von Luxemburg“

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Zsa Zsa ist tot – es lebe Lehár

Was verbindet das jüngst verstorbene Hollywood Sternchen und die Lehársche Operette „Der Graf von Luxemburg“? Es ist nicht nur die in der K.u.K. Monarchie wurzelnde  Herkunft, sondern das gemeinsame Thema des Oszillierens zwischen Liebe und Materialismus, der  Tauschhandel von Jugend,  Bling Bling und Status.
Nach dem Siegeszug des Genres der Operette, ausgelöst vom Erfolg der 1905 uraufgeführten „Lustigen Witwe“ schreibt Lehár in nur wenigen Wochen 1909 „Der Graf von Luxemburg“.
René Graf von Luxemburg, der  aufgrund seines ausschweifenden Lebensstils stets von Geldnöten geplagt wird, geht auf das Angebot eines russischen Mafia-Fürsten ein, seinen Titel für ein hübsches Sümmchen zum Tausch anzubieten. So soll Angèle, eine dem Ende ihrer Karriere nahe Sängerin, den Grafen inkognito heiraten, den  solchermaßen erhaltenden Adelstitel drei Monate lang tragen dürfen, um schließlich standesgemäß nach Ablauf der dreimonatigen Ehedauer den russischen Fürsten ehelichen zu können.
Natürlich siegt nach allerlei Irrungen und Wirrungen die Liebe zwischen René und Angèle  über das mafiös-korrupte Konstrukt der „standesgemäßen“ Eheschließung.
Das klassische  Thema des Seelenverkaufs an schnöden Mammon und Status, die Prostitution von Individualität und Gefühl, das in jeder gelungenen Operette auch zum Tragen kommt, wird in der  Inszenierung von Jens-Daniel Herzog anhand der eklektizistischen Gestaltung von Bühnenbild, Kostümen und Requisiten verdeutlicht. Gebrochen wird diese Zeitlosigkeit jedoch, wenn die Liedtexte zu tagespolitischen Themen (Trump, Digitalisierung etc.) Stellung nehmen. Dies fand ich wenig gelungen, wenn auch die Aktualisierung von Operettentexten in der Tradition von Lehárs Werken steht. Auch hätte auf eine Ausdehnung der Sprechpassagen verzichtet werden können, denn für meinen Geschmack hatte die dreistündige Inszenierung Längen und Durchhänger, die weniger gelungenen Klamaukeinlagen geschuldet waren.
Ein sehr guter Einfall war jedoch  die Verwendung einer  Drehbühne, welche die Dynamik und Komik der Operette unterstützt. Ebenso gefiel mir mit welch Liebe zum Detail Kostüme und Bühnenbild gestaltet wurden – man muss sicherlich mehr als eine Vorstellung besuchen, um alle witzigen Einzelheiten wahrnehmen zu können. Auch die Spiel- und Sangesfreude der Darsteller, allen voran der  versierte Bariton Bo Skovhus  als Graf von Luxemburg und die brilliante Sopranistin Juliane Banse als Angèle, konnten mich überzeugen. Dennoch hätte eine Straffung der abwechslungsreichen Aufführung insgesamt gut getan.

Weitere Informationen zu „Der Graf von Luxemburg“

Opernscouts
Astrid KloothAstrid Klooth
Oberstudienrätin im Hochschuldienst
Durch ihre Mitgliedschaften im Philharmonischen Chor und im Theaterring Duisburg ist Astrid Klooth Orchester und Theater seit vielen Jahren verbunden. Als Uni-Dozentin hat sie fast täglich mit jungen Menschen zu tun und hofft, durch ihre Beiträge ihr Interesse am Musiktheater einer breiteren Schicht zugänglich machen zu können.

 

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