Stephanie Küthe zu „Madama Butterfly“

madamabutterfly_14_foto_hansjoergmichelZeitlose Tragödie

Mit „Madama Butterfly“ gelingt der Deutschen Oper am Rhein mit einer hoch emotionalen Inszenierung und vor allem musikalisch der ganz große Wurf.
Die tragische Geschichte der jungen Geisha Cio-Cio-San, die Ihr ganzes Leben und Ihre Hoffnung in die Hände des amerikanischen Leutnant Pinkerton legt, wird von Joan Anton Rechi mit großer emotionaler Kraft erzählt. Die Inszenierung überzeugt durch Zurückhaltung und lässt dadurch ganz viel Raum für intensive Gefühle und vor allem die großartige Musik Puccinis.
Rechi verlegt die Geschichte ganz in die westliche amerikanische Welt. Das zarte japanische Heim für seine junge Frau präsentiert Pinkerton nur als Modell, die Vermählung findet zwischen den starken Säulen der amerikanischen Botschaft statt. Diese lässt er am Ende des ersten Aktes mit Pinkertons Abreise einstürzen, eine Anspielung auf den US-Atomangriff auf Nagasaki, die passt  – sowohl in die Geschichte als auch in die emotionale Welt Cio-Cio-Sans, für die in diesem Moment ihr amerikanischer Traum zusammenbricht.
In einem einheitlichen Trümmerfeld nimmt das Drama im zweiten und dritten Akt seinen Lauf und Rechi beschränkt sich hier ganz auf das Wesentliche. Sensationell ist der Mut, den er beweist, wenn er den Zuschauer im zweiten Akt mit der Wartenden völlig allein lässt, wodurch der Zuschauer ganz in Cio-Cio-Sans emotionale Welt eintaucht, getragen von Puccinis wunderbarer Musik.
Musikalisch ist der Abend ein Hochgenuss! Was der erst 28-jährige Aziz Shokhakimov als musikalischer Leiter gemeinsam mit den Duisburger Philharmonikern aus dem Werk herausholt ist grandios!
Gesanglich brilliert die kurzfristig eingesprungene Liana Aleksanyan in der Titelpartie. Dass sie diese zuletzt an der Mailänder Scala sang, überrascht nicht, trägt sie doch stimmlich zu einem großen Anteil zu diesem so meisterhaften Opernabend bei. Einzig ihre Statur ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, denn eine zarte 15-jährige Butterfly verkörpert sie nicht. Auch Eduardo Aladrén als Pinkerton überzeugt auf ganzer Linie. Sowohl gesanglich als auch schauspielerisch groß ist Maria Kataeva als Suzuki. Verlässlich und auf den Punkt zeigt sich wie immer der Chor der Deutschen Oper am Rhein.
Fazit: Eine zeitlose Tragödie, packend emotional erzählt und musikalisch Spitzenklasse: ein ganz großer Opernabend!

Weitere Informationen zu „Madama Butterfly“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Stephanie Küthe
Tätig im Eventmanagement eines Energiekonzerns
Seit ihrer Kindheit begeistert sich Stephanie Küthe für das Musiktheater, sang im Kinderchor der Bonner Oper und stand jahrelang in verschiedensten Produktionen selbst auf der Bühne. Die Diplom-Kauffrau und Musikwissenschaftlerin singt heute wieder mit Begeisterung im Chor und verpasst keine Inszenierung der Deutschen Oper am Rhein. Als Scout freut sie Sich darauf, ihre Gedanken zu Inszenierungen in Worte zu fassen und andere mit ihrer Begeisterung anstecken zu können. Ganz besonders gespannt ist sie dabei auf den Austausch mit anderen Opern- und Ballettscouts.

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