Heike Stehr über „Madama Butterfly“

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Hoffen und warten

„Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu …“ und in diesem Falle passiert sie der ehrsamen Geisha Cio-Cio-San in Puccinis Oper „Madama Butterfly“. Sie liebt den amerikanischen Marineoffizier Pinkerton, nimmt sogar seinen Glauben an. Er sieht in ihr kaum mehr als eine unterhaltsame und exotische Affäre, ein Spielzeug, über das er nach Belieben verfügen kann. Und schon nimmt das Drama seinen Lauf.
Obwohl die Uraufführung 1904 in der Mailänder Scala zu einer großen Katastrophe wurde, war Puccini selbst von seinem Werk überzeugt „Meine Butterfly bleibt, was sie ist. Die empfindungsreichste Oper, die ich je geschrieben habe! Ich werde noch gewinnen…“ Die Besucher der Premiere der Inszenierung des Stückes an der Deutschen Oper am Rhein unter Joan Anton Rechi können dem aus vollem Herzen zustimmen. Diese Tragödie überzeugt durch lebensnahe Gefühle und ein gutes Gespür für die menschliche Natur, das besonders in Pucchinis berühmten Arien „Vogliatemi bene“, „Un bene piccolino“ und „Un bel dì, vedremo“ aufscheint. Liana Aleksanyan in der Titelrolle verkörpert eindrucksvoll das so schmerzhafte Leiden der in ihrer Liebe einsamen Cio-Cio-San. Mit ihrem Gesang und ihrem Spiel trägt sie das ganze Stück und hält es zusammen. Fast ebenso überzeugend stehen ihr Maria Kataeva als Suzuki und Eduardo Aladrén als Pinkerton zur Seite. Die Duisburger Philharmoniker unter Aziz Shokhakimov spielen glänzend auf und machen den Abend musikalisch zu einem einzigen Genuss. Das Orchesterzwischenspiel nach dem zweiten Akt empfand ich als ein ganz besonderes Highlight der insgesamt drei Stunden dauernden Aufführung.
Diesen jungen erst 28jährigen Aziz Shokhakhimov wünschte ich mir direkt öfter im Orchestergraben zu sehen. Der Film „Dirigenten – jede Bewegung zählt“ (D, 2016) sei jedem ans Herz gelegt, der etwas mehr über ihn, andere junge Dirigentenkollegen und das Geheimnis des Dirigats erfahren möchte.
Doch zurück zu „Madama Butterfly“. Auch im Bühnenbild spiegeln sich Cio-Cio-Sans große Hoffnung zu Beginn und ihr inneres Drama sowie ihr traumatisches Warten bis zum bitteren Ende ganz deutlich wider. Während unter den großen und hohen Säulen der amerikanischen Botschaft ein Ehebund geschlossen wird, den nur eine der beteiligten Personen wirklich ernst nimmt, verbringen wir die folgenden Akte in einer deprimierenden Trümmerlandschaft und hoffen trotzdem und wider besseres Wissens mit der kleinen Frau Schmetterling bis zum letzten Moment, hoffen, dass die amerikanischen Rotkehlchen vielleicht doch nur alle drei Jahre brüten…
Wie ich als Zuschauer so unvermeidlich und zwingend in dieses Hoffen und Warten eingeschlossen wurde, bleibt für mich das große Geheimnis dieses Abends. Gehen Sie hin & schauen Sie, ob Sie diesen Zauber auch erleben werden!

Weitere Informationen zu „Madama Butterfly“

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.Heike Stehr
Erzieherin
Kunst spielt in Heike Stehrs Leben eine große Rolle: Neben ihrer Arbeit als Erzieherin in einer KiTa macht sie eine Ausbildung zur Kunsttherapeutin und betreibt den Blog http://kunstlebendig.blogspot.de. Sie besucht besonders gerne Ausstellungen, Programmkinos, Theaterstücke, Konzerte und Ballett. Auf den Bereich Oper, der für sie weitgehend Neuland ist, ist sie aber sehr gespannt. Sie freut sich, als Opern- und Ballettscout Kunst erleben und ihre individuellen Eindrücke an andere weiter geben zu können.

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