Georg Hess über b.31

Herausragendes Ballett

Samstag Abend, 19.30 Uhr, Premiere von b.31 in der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Es wird dunkel, Stille tritt ein. Der Vorhang hebt sich und ich lasse mich von „Obelisco“, choreographiert von Martin Schläpfer, einfangen.
„Obelisco“ ist an diesem Abend die erste von drei Aufführungen, welche wiederum in sieben sehr unterschiedliche Teile angeordnet ist. So trifft ein impulsiver Popsong von Marla Glen auf klassische Musik von Schubert und Mozart und sogar auf einen langsamen Walzer. Auch die Stimmungen und Bewegungen der Tänzer wechseln über ungezwungen und angriffslustig zu ruhig und zeitlupenhaft bis zu aufreizend mit Travestieelementen. Der Wechsel der glitzernden (aber nie kitschigen) Kostüme sowie des Schuhwerks von Plateaustiefeletten über Ballettschuhe zu High Heels markieren die Übergänge. Es ist die Gesamtästhetik aus reduzierter Bühnen- und Lichtausstattung, den Kostümen und den Bewegungen der exzellenten Tänzer und Tänzerinnen, die mich begeistert.
Nach der Pause folgt „Adagio Hammerklavier“ der Choreographen-Ikone Hans van Manen. Zur Klaviermusik von Beethoven tanzen drei Paare vor einem großen und hellen, sich im Wind wellenartig bewegenden Tuch in weißen Kostümen das bereits vor über vierzig Jahren komponierte Werk dieses Altmeisters, welches voller kleiner Details ist. Ein melancholisches Stück absoluter Schönheit. Auch dieses eher klassische Stück spricht mich sehr an, wenngleich es meinen Geschmack weniger trifft als die junge und moderne Inszenierung von „Obelisco“.
Zum Abschluss wird Sh-Boom! des Choreographen-Duos Sol León und Paul Lightfoot dargeboten: ein in mehrere Sequenzen aufgeteiltes, revueähnliches Stück, welches humorvoll den Ernst des Lebens überzeichnet. Dadurch, dass diese Aufführung in weiten Teilen durch ein sehr hohes Tempo mit enorm anspruchsvollen Schrittfolgen geprägt ist, wirkt sie nie albern, vielmehr  lässt sie mich und das übrige Publikum mit fröhlicher Bewunderung und einem großen Applaus zurück.
Alle drei Stücke haben mich absolut überzeugt! Es war ein großartiger Ballettabend, den Martin Schläpfer als Chefchoreograph (wieder) zusammengestellt hat. Wer sich nur ansatzweise für Ballett interessiert, darf b.31 nicht verpassen.

Weitere Informationen zu b.31

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

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