Uwe Schwäch über „Don Pasquale“

Feingefühl für Humor und Leichtigkeit

„Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti ist eine Opera buffa und somit als Komödie unter den Opern einzuordnen. Wie viele Komödien lebt auch „Don Pasquale“ von einer schematischen Handlung, die durch die Vermittlung echter romantischer Gefühle eine Besonderheit erfährt.
Die Wahl von Rolando Villazón zur Inszenierung dieser Oper kann als Glücksgriff bezeichnet werden, denn es gelingt ihm das komödiantische dieser Oper einfallsreich und mit viel Esprit umzusetzen. Die kreative Leitidee handelt von der bildlichen Kunst, die in die musikalische Kunst eingebettet ist. Die Geschichte um den alternden, konservativen, reichen aber geizigen Don Pasquale wird im zeitgeschichtlichen Rundgang von klassischer Malerei bis hin zu Pop Art aufgezeigt. Das führt zu wandelnden Bühnenbildern, die einen Teilbeitrag zur lebendigen und abwechslungsreichen Inszenierung leisten. Edward Hoppers „Nighthawks“ beispielsweise wird durch Statisten in ein lebendiges Kunstwerk gewandelt und hebt das zuvor klassisch geprägte Bühnenbild in die Moderne des 20. Jahrhunderts. Dieses Stilmittel wird auch auf die Charaktere der Protagonisten übertragen. Die von Doktor Malatesta, Norina und Ernesto geschmiedete Intrige wird mit großem schauspielerischen Talent vorgetragen. Mimik und Gestik der Protagonisten finden Ausdruck in erlebbarer Leidenschaft. Dies ist besonders bei Mario Cassi als Doktor Malatesta erstaunlich, der als kurzfristiger Ersatz eingesprungen ist und nur einen Tag Zeit für die Probe hatte. Villazón profitiert genau von diesen vier herausragenden Sängern. Elena Sancho Pereg glänzt als Norina gleich zu Beginn mit einer wunderbar romantisch vorgetragenen Arie („Quel guardo in viso“…“Welche Glut in Blicken“), überrascht optisch mit verführerischen Outfits und singt auch zum Ende der Oper in einem letzten Duett („Tornami a dir che m’ami“…“Laß’ ach laß’ es mich hören“) klar und leuchtend wie ein Sternenhimmel. Ernesto wird von dem jungen rumänischen Tenor Ioan Hotea leicht und feinfühlig gesungen, der Italiener Mario Cassi überzeugt als Bariton in stets ausgereifter Stimmlage und Lucio Gallo singt die Titelpartie selbstbewusst und souverän. Die Oper glänzt durchweg mit vielstimmigen Arien, in denen alle vier Hauptrollen ein gefühlvolles, harmonisches Musikerlebnis vermitteln. Über den intriganten Umgang des bemitleidenswerten Don Pasquale hinaus lebt diese Inszenierung von humorvollen Nebengeschichten, die den schnell erzählten Opernstoff facettenreich erweitern. Die bedeutenden Kunstwerke verschiedener Stilepochen sind Objekt der Begierde eines artistischen Kunsträubers, dessen Erscheinen parodistischen Szenenhumor auslöst. Auch das äußerst neugierige Dienstmädchen evoziert bei jedem ihrer Auftritte stumm gespielte Heiterkeit. Grenzwertig dagegen erscheint der kiffende Notar als Vertreter der Hare-Krishna-Bewegung, der die bisweilen bunte Inszenierung an den Rand des Klamauks drängt. Die musikalische Leichtigkeit der Oper wird durch den jungen und eloquenten australischen Dirigenten Nicholas Carter eindrucksvoll interpretiert. Er dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker lebendig und schwungvoll. Die Klangkörper der Instrumente werden besonders mit dem Einsatz von Bläsern, Pauke und Schlagzeug authentisch interpretiert und unterstreichen den musikalisch rasanten Opernstil.
Sicherlich ist „Don Pasquale“ eines der Highlights in dieser Opernsaison und daher sehens- und hörenswert.

Weitere Informationen zu „Don Pasquale“

Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

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