Martin Breil über b.31

„Life could be a dream“  oder  „lebst Du noch ?“

Drei Bilder, die gegensätzlicher nicht sein könnten und doch ein Ganzes. So könnte man die Premiere von b.31 im Theater Duisburg zusammenfassen.
In seiner Choreographie „Obelisco“ führt Martin Schläpfer seinem Publikum die Diversität des Menschen, der Musik und des Balletts vor Augen. In sieben Szenen präsentiert er gegensätzlichste Gangarten, sei es auf Plateausohlen, High Heels oder Zehenspitzen und zu unterschiedlichsten Musikstilen. Bewegen wir uns nicht trotzdem alle auf dem gleichen Planeten und rotieren um eine gemeinsame (Erd-)Achse, die einem Obelisken gleicht? Abwechslungsreich und spannend ist das und macht vor Konventionen keinen Halt.
„Adagio Hammerklavier“ des Altmeisters Hans van Manen ist eine Verbeugung vor der Schönheit. Drei in gazegleichen Kostüme gehüllte Paare bewegen sich zu einer von Christoph Eschenbach extrem entschleunigten Interpretation von Beethovens Meisterwerk, dem Adagio der „Großen Sonate für das Hammerklavier Nr. 29 B-Dur op.106“. Im Hintergrund nur ein, in schier unendlicher Kontinuität, wellenförmig wogendes Tuch als Bühnenbild. Intimer und andächtiger geht es kaum. Die totale Reduzierung der Ausdrucksmittel auf das Wesentliche versetzt mich in Andacht. Die Ästhetik der Bewegungen ist kaum zu fassen, einfach traumhaft.
Der Traum vom Erfolg auf den Brettern, die die Welt bedeuten, bringt so manchen zur Herausgabe seines letzten Hemdes. So zu erleben bei „Sh Boom!“, dem letzten Teil des Abends. Mit bitterer Ironie führen uns Sol Leon & Paul Lightfoot in unterschiedlichen Revuenummern den Glanz und Glamour der Unterhaltungsindustrie vor Augen. Deren Faszination beruht allerdings in der Regel auf dem Schweiß und der Hingabe der Künstler. Eine ganz andere Form der Traumdeutung im Vergleich zu den vorher gezeigten Bildern. Peppig und skurril endet der Abend im Konfettiregen.
Wieder einmal beglückt Martin Schläpfer sein Publikum mit einem spannenden, abwechslungsreichen Ballettprogramm, das, wie ich meine, wegen seiner Zusammenstellung zu den eindrucksvollsten seiner Produktionen an der DOR zählt.

Weitere Informationen zu b.31

Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau
Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

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