Birgit Idelberger über b.31

Was für ein Erlebnis!

Von der ersten bis zur letzten Minute wurde Großartiges geboten, was ich versuche nun in Worte zu fassen. Das Entscheidende des Abends jedoch kann man nicht erklären und geschieht einfach, nämlich, dass man berührt wird und das Herz öffnet.
Zu Recht gab es viele Vorhänge und standing ovations für die Künstler.
Wie gewohnt war der Abend als Trilogie angelegt. Ein Modell, das an allen Ballettabenden bisher erfolgreich war und für große Abwechslung sorgt. So auch dieses Mal und insbesondere in der Abfolge der Stücke höchst gelungen.
„Obelisco“, die Suche nach Mitte von Martin Schläpfer begann genial furios zu Musik von Marla Glenn und endete nach Sequenzen zu Mozart und Schubert musikalisch schließlich bei der Operette, dem „Chambre separée“ aus dem Opernball von Richard Heuberger.
In sieben Sequenzen wurden auf unterschiedlichste Weise Menschen auf ihrer Suche zur Mitte vorgestellt. Cool und modern, minimalistisch energiegeladen, schön und traurig, stürmisch und melancholisch anmutend und zu jedem Zeitpunkt höchste Tanzkunst aller Beteiligten. In manchen Momenten blitzt die Erkenntnis auf, dass das mit scheinbarer Leichtigkeit Dargebotene doch eine Form größter Akrobatik bedeutet, doch die Ausdruckstärke lässt keinen Raum für dererlei Gedanken und man versinkt wie mit einem guten Buch.
Das zweite Werk „Adagio Hammerklavier“ von Hans van Manen zu Musik von Ludwig van Beethoven lässt drei Paare vor sanft flatternden Falten eines Vorhanges erleben. Auch die Kostüme der Tänzerinnen fließen und flattern zu ihren Bewegungen im Hin und Her miteinander und auseinander. Man sucht sich, findet sich irgendwie und geht wieder fort. Ein sehr beeindruckendes auf Weniges und Langsamkeit reduziertes Werk, das leichte Sentimentalität zurücklässt.
Auch hiernach bedarf es einer Pause, die Zeit für Neues lässt.
Sol León und Paul Lightfoot entwarfen ein Ballett, in dem das fragile Gefüge der Gesellschaft dargestellt und entlarvt wird. Dies geschieht durch Übersteigerung von Handlungsabläufen und übertriebenem Humor. So findet dieser kein Ventil im Lachen, sondern verwirrt und macht ratlos. Unter einer künstlichen und anfälligen Oberfläche einer glamourösen Gesellschaft trifft der Mensch auf Gleichgültigkeit und Sinnlosigkeit.
Daraus scheint es kein Entrinnen zu geben und stürzt den Menschen in Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit.
Dies alles wird mit großem Schwung und Dynamik präsentiert und findet seinen absurden Höhepunkt im Konfettiregen.
Grandios!

Weitere Informationen zu b.31

Birgit Idelberger
Frauenärztin
Birgit Idelberger ist in Duisburg aufgewachsen und seit 10 Jahren als Frauenärztin in Duisburg-Walsum niedergelassen. Sie geht gern ins Kino und besucht Kunstausstellungen, doch Bezug zum Theater hatte sie kaum – zur Oper schon gar nicht. Das ist jetzt anders: Offen und neugierig ließ sie sich auf ihre erste Saison als Opernscout ein. Auch ohne Theatererfahrung empfindet sie die Opern- und Ballettabende als persönliche Bereicherung und positive Erfahrung. Sie hofft, dass viele Menschen durch die Kommentare der Scouts neugierig werden und den Weg ins Theater finden.

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