Kathrin Pilger über b.31

Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburgb.31  SH-Boom  ch.: Lightfoot/Leon
Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg b.31 SH-Boom ch.: Lightfoot/Leon

Auf die Spitze getrieben

In seinem jüngsten Meisterwerk hat Martin Schläpfer in gewohnter Qualität erneut drei ganz unterschiedliche Stoffe verwoben: Den Auftakt des Abends machte das Stück „Obelisco“, eine „eigene Wiederaufnahme“ von 2007, damals für das ballettmainz choreografiert, hier jedoch in gänzlich neuem Gewand präsentiert. Zu einem musikalischen Stilmix, wie er gewagter nicht sein könnte (von Marla Glen bis Wolfgang Amadeus Mozart), bewegen sich die Tänzerinnen und Tänzer mit teils großen Gesten. Die Geschlechter sind optisch nur schwer zu unterscheiden, tragen doch Männer und Frauen identische Kostüme. Das Ganze wird auf die Spitze getrieben angesichts der in hochhackigen Damenschuhen tanzenden Männer.
Das zweite Stück, „Adagio Hammerklavier“, ein Klassiker von Hans van Manen, führt den Zuschauer vermeintlich zurück in die Welt des klassischen Balletts. Drei Paare, die Damen in hellblauen Tüllkleidern und mit Spitzenschuhen, die Herren in gerippten Leggings, die an winterliche Unterhosen erinnern, und mit freiem Oberkörper schweben gleichsam über die Bühne. Dazu erklingt das Adagio aus Beethovens Hammerklaviersonate in ungewohnter, pointiert bedächtiger Langsamkeit. Fast fühlt man sich an Filmaufnahmen in Zeitlupe erinnert; das Zuschauen ist sehr entspannt.
Völlig anders, nämlich eine eher angespannte Aufmerksamkeit erzeugend, ist die Wirkung des dritten Stückes, „SH-BOOM!“ der am Nederlands Dans Theater tätigen Choreografen Sol León und Paul Lightfoot. Zu Beginn ist nur ein Mann im schwarzen Anzug im Scheinwerferlicht am Rand der Bühne zu sehen. Im immer gleichen Muster vollführt er Schritte, vor und zurück. Dabei lächelt er gekünstelt aus seinem weiß geschminkten Gesicht. Später ist die Bühne gefüllt mit Menschen in merkwürdiger Kleidung: Die Damen tragen uniformähnliche braune Kleider; einige Herren treten in Unterwäsche mit Kniestrümpfen auf, bei anderen gibt es noch ein offenes Hemd mit Krawatte, gleichsam Reste menschlicher Zivilisation. Die Szenerie gipfelt in einer männlichen Nacktszene, die überraschenderweise nicht platt, sondern witzig daherkommt. Beschwingend untermalt wird das Geschehen auf der Bühne von Liebesliedern der 1920er bis 50er Jahre.
Insgesamt ist b.31 in der interessanten Zusammenstellung eine sehr gelungene Neuinterpretation bewährter Ballettchoreografien. Der Abend war durchgehend unterhaltsam und ist  daher auch für Balletteinsteiger sehr empfehlenswert!

Weitere Informationen zu b.31

11.11.2016 , DU Duisburg , Opernscouts , Deutsche oper am Rhein , Theater Duisburg , Stadttheater.

Kathrin Pilger
Landesarchiv NRW Duisburg
Kathrin Pilger ist Dezernatsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin beim Landesarchiv NRW in Duisburg. Sie hat großes Interesse an Kunst und Kultur, Oper und Ballett früher aber nur selten besucht. Seit sie beides als Opernscout begleitet, ist sie begeistert von beiden Genres. Einen Abend im Ballett oder in der Oper empfindet sie als erlebnisreich und spannend und oft ist sie auch emotional von der Musik und der Ästhetik des Tanzes berührt. Dieses Gefühl von Glück möchte sie an andere Menschen weitergeben.

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