Niko Budden über b.32

Getanzte Zwischenmenschlichkeit

„Nach einer halben Stunde ist wirklich Schluss“, habe ich beim letzten Mal gesagt, länger könne ich mich nicht konzentrieren. Glücklicherweise gab es da drei voneinander unabhängige Stücke, mit Pausen getrennt. Ganz üblich für die Ballettabende an der Düsseldorfer Oper, sagte man mir. Ganz anders die jetzige Premiere, an diesem Abend gab es ein langes, durchgängiges Stück.

Und lassen Sie mich offen sagen: Ich habe es geschafft. Zugegebenermaßen habe ich auch zwischendurch geträumt – schieben wir es auf den chorischen Gesang und meinem Hang zur Müdigkeit – doch bin ich  immer wieder zurückgekehrt. Es wurde nicht langweilig.

Das Schläpfer-Stück besteht aus ganz vielen unglaublich geladenen Momenten. Ein Grund, warum ich „Petite Messe solennelle“ auch ein zweites Mal besuchen möchte: Es gibt so vieles zu entdecken, das mir beim ersten Mal noch gar nicht aufgefallen ist. Nun gut, vieles von dem, was ich sehe, ist meist auch gar nicht da: Tänzer husten und rücken auf Stühlen umher, ganz klar! Ein Wartezimmer voller Kassenpatienten. Nein halt, religiöse Musik und tanzende Menschen? Das ist doch ein verrückt werdender Kult in einem Bunker! – Theaterguckgewohnheiten. Ich kann es einfach nicht lassen. In der Zeitung wird es als das gotteslästerliche Leben einfacher Leute beschrieben, was wohl am besten zu allem passt, zum Meeting am Mittag, zur Schlange im Supermarkt und zu dem, was auf der Bühne passierte, allemal.

Einfach gesagt: Der wirklich gewaltige „kleine Chor“ der Oper, vier Solisten, zwei Klaviere und atemberaubend getanzte zwischenmenschliche Momente begeistern.

Weitere Informationen zu b.32

Niko Budden
Student
Für Theaterliebhaber Niko Budden bedeuten Ballett und Oper neue Seh- und Hörgewohnheiten, auf die der Student der Geschichte und Germanistik sich sehr gerne einlässt. Sein Engagement im Projekt  „Musiktheater im Labor“ der Jungen Oper bedeutete für ihn dabei den Einstieg in die Welt des Musiktheaters. Besonders auf die Ballettvorführungen ist Niko Budden gespannt, da er den Einstieg in die performative Kunst bisher immer über das Wort fand.

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