Martin Breil über „Don Carlo“

Armer Don Carlo….

Das Schöne an der Oper ist, dass man dort Geschichten erlebt, die es sonst nirgendwo gibt.
Stellen Sie sich vor, ihr Sohn liebt ihre Frau, mit der Sie in dritter Ehe verheiratet sind. Oder, andersherum, die (Stief-) Mutter ist in ihren Sohn verliebt, obwohl Sie mit dessen Vater verheiratet ist. Oder, Sie als Sohn, müssten Ihren Vater ermorden, um Ihre „Mutter“ für sich zu erobern… Unglaublich !
Don Carlo, Sohn des spanischen Königs Philipp II., weiß nicht mehr ein noch aus. Er liebt Elisabetta, Prinzessin von Frankreich, die ihm versprochen wurde und nun mit seinem Vater verheiratet ist. Sein einziger Freund Rodrigo di Posa, ein von Carlos Vater unterdrückter Freiheitskämpfer, hält zu ihm.
Giuseppe Verdi hat nach der Vorlage von Friedrich Schiller mit „Don Carlo“ ein großartiges Drama über das Freiheits- und Unabhängigkeitsstreben sowohl politisch als auch aus Staatsräson unterdrückter Individuen geschaffen.
Am Anfang wirkt die Oper sehr statisch und wenig handlungsbetont. Aber Verdi versteht es, die Gefühle und Emotionen der verschiedenen Individuen mit ihren Ängsten und Nöten musikalisch derart treffend zum Ausdruck zu bringen, dass es für ihn keines großen Bühnenspektakels bedarf, um sein Publikum zu fesseln.
Das Bühnenbild besticht zunächst aufgrund seiner goldenen Wände, die sich, streng orthogonal angeordnet, im Laufe des Abends, von intimen Gemächern, zu einem Richtplatz und schließlich in ein Königsgrab verwandeln.
Die Soli, Duette, Terzette und Quartette sind so ausdrucksstark, dass es genügt, mit dem Bühnenbild Stimmungen optisch nur anzudeuten. Celine Byrne als Elisabetta beeindruckt mich dabei stimmlich am meisten. Das gesamte Ensemble und die Duisburger Philharmoniker beweisen an diesem Abend während der dreistündigen Vorstellung wieder einmal große Klasse.

Diese Inszenierung ist emotional noch stärker als „Aida“, das Bühnenbild schlichter, aber dadurch inspirierender, ich kann sie sehr empfehlen- aber Vorsicht, anspruchsvoll und anstrengend!

Weitere Informationen zu „Don Carlo“

Martin Breil
Dipl. -Ing. für Hochbau
Martin Breil ist beschäftigt beim Bauaufsichtsamt der Stadt Duisburg. Neben seinem Interesse an den bildenden Künsten, hört er leidenschaftlich gern Jazz und klassische Musik, insbesondere mit den Duisburger Philharmonikern. Das Lauschen zu Opernklängen bedeutet für ihn ein Abheben in eine andere Dimension und das Abschalten von allem Belastenden des Alltags. Auch das Ballett fasziniert ihn: Wo kommen, außer in der freien Natur, Kraft und Ästhetik stärker zum Ausdruck als dort? Als Opernscout ist er dankbar, seine eigenen Eindrücke nach außen tragen zu dürfen, um dort Leser für einen Opern- oder Ballettbesuch zu begeistern.

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