Uwe Schwäch über „Das Rheingold“

Musikalisches Licht und inszenierter Schatten

Mit dem Düsseldorfer Dichter Heinrich Heine und dessen Loreleylied aus dem Jahr 1823 startet der Auftakt zur Nibelungensaga. Gefolgt vom Vorspiel präsentiert sich die neue Ringinszenierung mit einem geheimnisvollen Crescendo dominierender Hörner und Streicher aus dem Orchestergraben. Schon zu Beginn entlädt sich die musikalische Kraft und Dynamik Wagners in Wohlgefallen. Axel Kober, der Bayreuth-erfahrene Chefdirigent der Düsseldorfer Symphoniker, interpretiert die Musik der Hochromantik stets filigran und bisweilen kraftvoll in der kompositorisch angelegten Leitmotivtechnik. Das ist ein wunderbarer Kunstgenuss, dem sich die musikalischen Protagonisten auf der Bühne ausnahmslos anschließen. Angefangen bei den mit Leichtigkeit und Esprit auftretenden Rheintöchtern über den kraftvollen Wotan und den einfühlsamen Alberich bis hin zu dem schwerfälligen Riesen Fasolt, der seine nach Liebe dürstende Seele zu Freia mit feinfühliger Sympathie zum Ausdruck bringt.
Die Inszenierung von Dietrich W. Hilsdorf kann den hohen Anspruch dieser populären Oper leider nicht erfüllen. Gerade der erste Teil der Oper wirkt so statisch, dass schnell eine unverkennbare Langeweile aufkommt. Zu erlebnisarm kommt das Musikdrama daher, wobei sich das Drama erst im letzten Teil der Oper verdient macht. Szenen mit Bezug zu den Tiefen der Erde, dem Auftreten der Riesen mit dem Kampf um das Rheingold vermitteln einen Hauch von der mystischen Spannung, die in dieser Nibelungensaga beheimatet ist und die großes Potential für erlebnisreiche Interpretationen bietet.
Leider trägt auch die gesamte Bildebene zur Entmystifizierung dieser Wagner-Oper bei: Spartanische Ausstattung – von runden grünen Sitzelementen abgesehen – und geschichtslose Kostüme schaffen einen insgesamt schlichten Rahmen. Ausnahme bilden die als Saloondamen daherkommenden Rheintöchter, die frivol kostümiert und und dennoch anmutig in Erscheinung treten. Dazu leistet sich das Bühnenbild einige Fehltritte, wie den Lichterkranz als Bühnenrahmen, der viel besser in die Zirkusprinzessin passte (wo er tatsächlich auch zu sehen war). Nachdenklich macht auch die wenig aussagekräftige, heute in jeder zweitklassigen Bühnenproduktion zu sehende Videoprojektion, die außer Himmel und Wolken wenig zu zeigen hat.
Ein leider misslungener Ringauftakt mit musikalischem Licht und inszeniertem Schatten.

Weitere Informationen zu „Das Rheingold“

Uwe Schwäch
Kommunikationsberater und Lehrbeauftragter
Der Kommunikationsberater, Fachautor und Lehrbeauftragte an der Hochschule Fresenius ist leidenschaftlicher Fan der Oper, und seine Begeisterung wirkt ansteckend: Regelmäßig stiftet er Freunde und Bekannte zum gemeinsamen Kulturbesuch an. Gerne tauscht er sich nach jedem Premierenbesuch mit den anderen Opernscouts aus, was die Erfahrungen der Opernbesuche noch anregender macht.

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