Georg Hess über „Das Rheingold“

 Groteskes Spiel mit epischer Musik

Ich habe es mir angewöhnt, mich bereits vor der Aufführung eines Stücks mit dem Inhalt zu beschäftigen um mich während der Vorstellung wieder einzufinden, wenn mir mal der Faden verlorengeht. Als Wagner-Greenhorn habe ich mir auch dieses Mal in Kurzform bei Wikipedia die Handlung von Rheingold angelesen, dem ersten Stück der „Ring“-Tetralogie. Und ich war überrascht von den Ähnlichkeiten zu Tolkiens „Herr der Ringe“: Da gibt es die Rheintöchter, die einen Goldschatz in der Tiefe des Flusses hüten. Dieser wird von dem liebesverschmähten Zwerg Alberich gestohlen und in seine unterirdischen Arbeitslagerkatakomben verschleppt und dort verwahrt. Ein Ring und eine Tarnkappe, beide geschmiedet bzw. erstellt aus dem Diebesgut, bringen hiernach nur Ungemach und Unglück, insbesondere nachdem der Ring ihm von den Göttern entrissen und an die Riesen Fasolt und Fafner für deren Erstellung der Götterburg Walhall und im Tausch gegen Wotans Schwägerin Freia übergeben wurde.
Rheintöchter, Götter, Riesen, Ungemach und Unglück – hört sich nach einer gewaltigen und monströsen Opernaufführung an, die mich erwartet.
Aber mitnichten!
Die Rheintöchter, die ich mir Prinzessinen ähnlich vorgestellt hatte, mimten eher den Charakter von Liebesdamen aus einem Westernfilm. Die Götter, in Lodenmäntel mit Sonnenbrille (Wotan) oder einem Zuhälter ähnlich (Loge) gekleidet, hätte ich als solche nur schwerlich gedeutet und die beiden Riesen waren nur deswegen zu erkennen, weil ihnen zu ihrer Dachdeckermontur durch das Tragen von Zylinderhüten gewisse Höhenvorteile verliehen wurden. Der Spielort der Handlung, ein jugendstilähnlich eingerichtetes Zimmer, mit einem großen runden Tisch ausgestattet, welcher manches Mal auch als Einstieg in die verschiedenen Sphären wie Götteraufenhalt oder Arbeitslager diente, war so auch nicht vorauszusehen.
Es waren aber gerade diese unerwarteten Darstellungen und die teilweise grotesk und schräge Aufbereitung des Stoffes, die mich in dem 2 1/2 stündigen (pausenlosen) Spielmarathon überraschten und unterhielten, insbesondere in der Kombination mit den großartigen Stimmen der Opernakteure (besonders hervorzuheben Michael Kraus als Alberich) und der epischen Wiedergabe der Wagnerpartitur durch die Düsseldorfer Symphoniker (unter Leitung von Axel Kober).
Schon jetzt bin ich mit Vorfreude gespannt auf den 2. Teil des Opernzyklus: Die Walküre. Und natürlich werde ich mich auch hierzu wieder einlesen…

Weitere Informationen zu „Das Rheingold“

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

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