Susanne Freyling-Hein über „Das Rheingold“

Gänsehaut und Grusel

Meine erste Wagner-Oper: in Erwartung „schwerer Kost“, leicht voreingenommen durch kritische Rezensionen und mit Respekt vor 2,5 Stunden Spieldauer ohne Pause – werde ich positiv überrascht.
Die Handlung kann ich gut nachvollziehen und im Gegensatz zu vielen anderen Opern scheint sie mir verdichtet: es passiert relativ viel in kurzer Zeit, es kommt keine Langeweile auf.
Das Bühnenbild überrascht mich, erinnert an eine Varietebühne, was mir nichts sagt, und ist wenig mystisch und geheimnisvoll – wie ich es mir gewünscht hätte.
Im dritten Bild ist das anders – die Unterwelt wird grell rot-gold und fast blendend-aggressiv illuminiert, ein passender Schauplatz für das schaurige Ausbeuten der Goldvorkommen durch die schwitzenden und dreckigen Arbeiter.
Das Durchbrechen des Bühnenhimmels durch eine Schlange/Drachen erinnert mich wiederum ans Phantasialand der 80er Jahre und wirkt eher komisch.
Die Musik ist grandios und ebenso die Sänger an diesem Abend: Gänsehaut in regelmäßigen Abständen, auch wenn die Oper keine bekannten „Hits“ liefert.
Besonders gefallen mir die Rheintöchter und der Riese Fasolt, obwohl er eher sympathisch als furchterregend wirkt. Wotan verkörpert Machtbesessenheit, Kaltherzigkeit (Freia hat ja noch Glück gehabt, dass sie einen Gegenwert liefert) und Habgier absolut glaubwürdig.
Das Schlussbild, der Aufbruch in die Burg Walhall, finde ich angemessen gruselig und es wirft seinen Schatten voraus… ich bin gespannt auf die Fortsetzung!

Weitere Informationen zu „Das Rheingold“

Susanne Freyling-Hein
Senior Retail Development Manager bei L’oréal
Obwohl Susanne Freyling-Hein seit ihrer Kindheit Klavier spielt und sich sehr für Ausstellungen und Industriekultur interessiert, waren Oper und Ballett bis zu Beginn der letzten Spielzeit Neuland für sie. Begeistert hat sie vor allem Martin Schläpfers Ballett am Rhein. Sie schätzt den gemeinsamen Austausch, weil er den eigenen Eindrücken andere Sichtweisen gegenüber stellt. Und wenn Freunde oder Kollegen ihren Empfehlungen folgen, macht sie das durchaus ein bisschen stolz.

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