Roland Schüren über die Premiere von „Wozzeck“

Wozzeck_2_FOTO_Karl_ForsterEine Oper mit Erkenntnisgewinn

Dass es am Ende tatsächlich einen Erkenntnisgewinn durch Wozzeck für mich gibt, hätte ich nicht erwartet. Meine Erwartungen entsprachen eher denen an einen guten Tatort-Krimi mit Witz. Eine moderne Oper halt, nicht so steif, das würde mir wohl gefallen, sie würde bestimmt kurzweilig sein. Diese Erwartung erzeugte die kurze Lektüre des Infotextes der Oper am Rhein. Und dann war da noch Bo Skovhus als Hauptdarsteller, den ich in der letzten Spielzeit schon in Der Graf von Luxemburg so klasse fand – spaßig, locker, unterhaltsam mit einer bemerkenswerten Sportlichkeit und Kondition auf der Bühne. – Dann kann ja nichts schiefgehen.
Der Auftakt in der Todeszelle hat mich sehr beeindruckt. Die bedrückende Stimmung um den Mord von Gesetzes wegen, das Wissen um das Unausweichliche, dass sich alle folgenden Handlungen bis zur Giftspritze einfach nicht mehr aufhalten lassen und die damit verbundene Hilflosigkeit – alles das zieht mich in einen festen Bann. Ich bin sofort mit allen Sinnen in Alban Bergs Werk angekommen. Dann folgt eine Menge an Demütigungen, die Wozzeck über sich ergehen lassen muss. Quasi der große Hauptteil der Oper. Es war so ziemlich alles dabei, was man sich vorstellen kann. Es wird über ihn gelacht, Marie betrügt ihn, die Gesellschaft missachtet ihn, er erfährt körperliche Gewalt und die Staatsmacht richtet ihn. Der Mann kann einem wirklich leidtun. Zwischendurch kann ich der Handlung nicht mehr richtig folgen und es macht sich Unsicherheit bei mir breit. Habe ich mich nicht genug eingelesen? – Doch halt: Wir befinden uns ja gar nicht in der eigentlichen Story, die bei der Einführung fast ausschließlich beschrieben wurde. Die ist ja schon lange passé und über den Teil den ich gerade sehe, wurde zuvor kein Wort verloren. Wozzeck ist ja bereits per Giftspritze gestorben und wir Zuschauer verfolgen „lediglich“ den Prozess seines Sterbens. Ok, dann darf es ruhig etwas wirr sein, ich brauche also gar nicht auf die Story zu achten. Ich reflektiere und denke nach, was mir die finalen Szenen sagen sollen. Was ist wirklich wichtig im Leben? Der Erkenntnisgewinn ist da!
Bo Skovhus: super, mega! Musik: passend, tritt etwas in den Hintergrund. Kurz auftretender Sprechgesang: überraschend passendes Stilmittel. Zwei tolle Details des Bühnenbildes: die Wanduhr, die je nach Szene mal lief und mal stand und das uns, dem echten Publikum, gegenübersitzende Publikum auf der Bühne. Es hat uns einen Spiegel als Voyeure vorgehalten. Ich vernehme hierbei den Appell „Schau nicht nur zu, werde tätig“.
Fazit: Sehr zu empfehlen.

Opernscouts 2017 - Roland SchürenRoland Schüren
Inhaber der Bäckerei „Ihr Bäcker Schüren“
Bereits in vierter Generation führt Roland Schüren den Familienbetrieb „Ihr Bäcker Schüren“ mit Hauptsitz in Hilden. Mit seinem Anspruch an Qualität, Produktvielfalt und Nachhaltigkeit gilt er als einer der besten und innovativsten Handwerksbäcker in Düsseldorf und der Region. Ihm und seinen Bäckern macht es Spaß, alles selbst herzustellen – ohne Fertigmischungen und Massenproduktion, dafür mit viel Zeit und handwerklichem Können. Da gibt es Parallelen zu unserem Opern- und Ballettbetrieb …

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