Zukunftsgestaltung mit Wagner

 

 

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FOTO: Hans Jörg Michel

Dirk Sander über die Premiere von „Das Rheingold“

Warum kommt mir das Rheingold in den Sinn, gerade hier in Paris auf dem Global Social Business Summit 2017, wo wir uns aus der ganzen Welt versammeln, um über Lösungsansätze für unsere aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu diskutieren und ein Netzwerk von ZukunftsmacherInnen spinnen? Wie war das damals in Deutschland des Jahres 1869? Es war die Zeit des Umbruchs und Aufbruchs in eine neue unbekannte Zukunft. Euphorischer Fortschrittsglaube und romantische Ressentiments, letztere scheinen auch in Wagners Werken durch, waren die antipodischen Antreiber zukunftsgestaltender sozialer Bewegungen in Europa und der westlichen Welt. Heute bin ich in Paris umringt von Menschen aus Bangladesch, Kolumbien, Afrika und vielen anderen Staaten dieser Erde. Sie verstehen sich als ZukunftsmacherInnen einer neuen sozialen Bewegung, die nichts weniger zum Ziel hat, als die Rettung des Planeten. Unser Planet ist bedroht, weil sich die wohlfahrtsfördernde Ökonomisierung und Rationalisierung  in den westlichen Gesellschaften des 19. Jahrhunderts im 21. Jahrhundert auch in den Ländern des Globalen Südens durchsetzt und damit die Nachfrage von bald 10 Milliarden Menschen bedienen muss. Das geht nicht ohne soziale und ökologische Kosten, wie wir seit Beginn der Industrialisierung und heute durch die Digitalisierung leidlich erfahren. Das ahnten auch schon die romantischen Intellektuellen des „Fin de siecle“ und dämonisierten die ökonomischen und technologischen Fortschrittskräfte. Wohin das im 20. Jahrhundert führte, wissen wir. Heute hier in Paris erscheinen mir Wagners Riesen als die Erbauer eines irdischen Walhallas, eine Trutzburg gegen die zunehmend unwirtlich werdende Natur, die den Menschen vor den lebensbedrohlichen Folgen seiner Handlungen abschirmt und ihn unsensibel macht, für seine eigenen Daseinsbedingungen. Die Technisierung der Welt im Namen des Humanismus führte im 20. Jahrhundert zu einem Transhumanismus, der in dialektischer Umkehrung die Entmachtung des Menschen und den Verlust der Liebe zeitigte. Hier auf dem Global Social Business Summit gestalten wir konkrete Lösungen im Namen eines neuen revitalisierten Humanismus:  die Wiederermächtigung des Menschen durch die empathische Einsicht, dass uns keine Burg vor der Natur schützen kann. Meine allegorische Schlüsselfigur des Rheingolds und des gesamten Rings lautet daher: Brünnhilde als die Inkarnation der Liebe.

Opernscouts

Dirk Sander
Inkubator Manager Social Impact Lab
„Break up the concrete“ lautet das Motto des gebürtigen Duisburgers, der früher schon als Regiehospitant an der Deutschen Oper am Rhein tätig war und seitdem auf viele verschiedene Rollen in seinem Lebenstheater zurückblickt. Ob als Banker, Entwicklungshelfer in Afrika oder Inkubator beim Social Impact Lab in Duisburg – Dirk Sander möchte mit seinen Fragen und Ideen etwas für eine gerechtere Gesellschaft bewirken. Durch das Scout-Projekt kann er nun seine Verbundenheit mit der Oper wieder aufleben lassen – statt hinter der Bühne nun im Zuschauersaal.

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