Heranführung an Wagner

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FOTO: Hans Jörg Michel

Alexandra Schiess über die Premiere von „Das Rheingold“

Ganz ehrlich…? Mit gemischten Gefühlen fuhr ich über die Autobahnbrücke der A42 von Rheinberg Richtung Duisburg, zur dortigen Premiere der Deutschen Oper am Rhein. Das erste Mal nach acht Jahren, denn damals hatte ich schon das Glück, die Premieren in Düsseldorf begleiten zu dürfen. Mal wieder Stau, das Gedankenkarussell startet… Wie sehr ich mich freue auf meine Aufgabe als Opernscout steht außer Frage. Aber zu Richard Wagner, seinem Ring der Nibelungen, verbindet mich nicht viel. Vorher habe ich mich eingelesen, aber reicht das aus, um nach der Aufführung meine Meinung kund zu tun? Im Opernhaus angekommen, das erste Treffen mit den anderen Scouts. Einige haben schon richtige Erfahrungen mit Wagners Ring und Rheingold – Oh weh! Nun wird es dunkel. Der Vorhang öffnet sich… Das Bühnenbild zeigt einen möblierten Raum in Anlehnung an die Zeit Richard Wagners, aber viele kleine Details, technische Raffinessen, lassen diesen einen Raum immer wieder und auch während der Aufführung verändern. Spannende und überraschende Momente ziehen mich von Beginn an in den Bann und meine Augen wandern in jeden Winkel der Bühne, es gibt sehr viel zu entdecken. Zum Beispiel wird das Geschehen auf der Bühne zeitversetzt an die Rückwand projiziert. Die Bühne erscheint umso größer. Es lenkt von der Handlung nicht ab. Die Kostüme überzeugen mich ebenfalls. Durch ihre Gestaltung untermalen sie die verschiedenen Persönlichkeiten und Charaktere sehr gut. Ich lerne während des Stückes die Charaktere kennen und zuzuordnen. Dabei hilft, dass das Kostümbild generell der Kostümgeschichte angepasst ist, jedoch in einigen Momenten überspitzt dargestellt wird. Die Rheintöchter wirken in ihren pastellfarbenen Negligékleidchen wie gewollt, arg frivol. Dann gibt es einen Moment, in dem ich kurz darüber nachdenke, warum Herr Wagner keine Möglichkeit der Pause in seiner Komposition zuließ… Ein wenig egoistisch, finde ich, da ich schon den Wunsch verspüre einmal kurz Luft zu holen oder die Beine zu vertreten. Denn die fantastische Bild- Orchester und Stimmgewalt (durchweg alle Sänger-und Sängerinnen, sowie die Duisburger Philharmoniker überzeugten durch ihr Können) will sich in mir ein wenig setzen. Doch dieses kleine, gedankliche Tief verschwindet alsbald die rechte Bühnenseite unter lautem Grollen gesprengt wird und eine Lore, beladen mit Kohle, von Bergbauarbeitern über die Bühne geschoben wird. Ungläubig schaue ich in das riesige Loch in der Seitenwand und bin fasziniert von der Idee, das ‚Rheingold‘ als das Gold des Ruhrpotts darzustellen. Wie passend transformiert! Vielleicht runzelt manch Wagner-Liebhaber bei dieser Inszenierung die Stirn… Mich hat es dem Ring jedoch näher gebracht!

OpernscoutsAlexandra Schiess
Modedesignerin
Alexandra Schiess war Opernscout der ersten Stunde: Schon in der Spielzeit 2009/10 lernte sie das Projekt kennen und war sofort begeistert, Teil des Experiments zu sein. Mittlerweile ist sie Mutter von zwei Kindern und freut sich, ein zweites Mal – diesmal in Duisburg – dabei sein zu dürfen. Vor allem der Tanz fasziniert die Modedesignerin, die ihre Kollektionen sowohl in Deutschland als auch international, wie zum Beispiel in Paris, Rom und San Francisco vermarktet: Sie erstellte Kostümbilder für Ballettproduktionen in Dortmund und Hannover und pflegt eine enge Beziehung zum Ballett am Rhein. Der Oper begegnet sie mit Respekt und Freude und ist gespannt auf die neue Spielzeit.

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