Ein eindrucksvoller Dreiklang

b_33_Roses_of_Shadow_06_FOTO_Gert_WeigeltHilli Hassemer über die Premiere von „b.33“

Es ist einfach bemerkenswert, wie Martin Schläpfer die Auftragskomposition von Adriana Hölszky in seine Uraufführung einbettet, in helle, klare und farbrauschende Stücke seiner beiden Kollegen George Balanchine und Hans van Manen. Die Reihenfolge verstärkt die Wirkung der drei Stücke, so dass das Helle sich heller und das Dunkle sich noch dunkler anfühlt. Wieder einmal sind wir Wechselbädern ausgesetzt, – Schläpfer spielt virtuos mit unseren Gefühlen und seine phantastischen Tänzer geben alles.
Stravinskys Violinkonzert, von Balanchine zu Bewegung geformt, es öffnet freundlich meinen Blick und mein Denken. So entführt mich dieses erste Stück an diesem Abend in das Universum des Tanzes. Marc Bouchkov  an der Violine, wunderbar begleitet von den Symphonikern, die virtuose Höchstleistungen erbringen werden. Leicht und schön erscheint mir das, was wir von den Tänzern sehen. Im puristischen Schwarzweiß bewegen sie sich meisterhaft vor blauer Unendlichkeit. Kein Zuviel  und kein Zuwenig in dieser Choreographie, – die klassische Klarheit von Musik und Bewegung, Klang und Körper berührt mich.
„Roses of Shadow“, von Martin Schläpfer, katapultiert uns in seiner Tanzsprache ins komplexe 21. Jahrhundert und in eine völlig andere Welt. Die kriechenden, sich windenden Tänzer ziehen uns hinein, in einen düsteren Bühnenraum, in dem eine große schwarze kristalline Skulptur unsere Blicke bannt. Anspannung und auch Bedrückung, vom ersten Moment an. Es gibt Passagen, die sind kaum auszuhalten, so sehr evozieren sie Abgründiges und Rätselhaftes. Die komplexe, unmelodische Musik Hölszkys, verstört und beunruhigt. Mit bekannten  Seh- und Hörgewohnheiten bekomme ich „Roses of Shadow“ nicht zu fassen. Ich ergebe mich der ungewohnten musikalischen Sprache, der Schrägheit des Gesangs und der Klänge, dem Rätsel, vor das Schläpfer uns stellt. Eine Spur zu lang, wie mir scheint und auch die gesungenen Textfragmente – Angelika Luz Stimme muss bei diesen Tönen an Grenzen gehen,- überfrachten mir die Dichte des Stückes. Und dennoch, Schläpfer erweitert  erneut meine begrenzte Vorstellung von Tanz und Musik.
Ein Glücks-Schock, überkommt mich, als der Reigen der Tänzer in Hans van Manens Stück „Polish Pieces“ auf die Bühne rauscht. Wie flirrende Farben, die anmutigen und athletisch schönen Tänzer, ein jeder in einem anderen Spektrum des Regenbogens. Mein Malerherz lacht. Die Bewegungen der Tänzer fließen perfekt zu Góreckis Musik und plötzlich besänftigt sich mein innerer Aufruhr. Der Regenbogen als Symbol für die Versöhnung zwischen Himmel und Erde,- hier versöhnt er uns, das Publikum.

Opernscouts 2017

Hilli Hassemer
Bildende Künstlerin
Die Malerin Hilli Hassemer lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Düsseldorf. Damals noch fremd in der Stadt und mit einem „Hardcorde-Wagnerfan“ befreundet, wurde die Oper unverhofft Dreh- und Angelpunkt ihres neuen Lebens. Jetzt will sie sich wieder intensiver mit Oper und Ballett befassen – genau hinschauen, zuhören, das Erlebte beschreiben. Sie sagt: „Es ist schön, wenn man sich selbst und seiner Meinung vertraut.“

 

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