Hellauf begeistert

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Hilli Hassemer über die Premiere von „Die Walküre“

Prall und kraftvoll hallen die Bilder in mir nach, aus dieser neuen Düsseldorfer Walküre, die Dietrich W. Hilsdorf in meinen Augen stimmig und eindrücklich in Szene gesetzt hat. Schon im ersten Akt lässt mich die Darstellung von Siegmund (später auch die Wotans), an die Malereien der gefallenen, verletzten Helden des Malers Georg Baselitz denken. In zerrissenem Soldatenmantel, wund vom Kriegen und Kämpfen sucht Siegmund Schutz in Hundings Hütte,  einem düsteren niedrigen Bunker,  von Grünspan und Schimmel überzogen. Von diesem Un-Ort aus nimmt die Geschichte ihren Lauf. Immer wieder versetzen mich einzelne Kunstgriffe der Regie und die Detailsinnigkeit der Inszenierung in helle Begeisterung. Da tauschen Sieglinde und Siegmund im Akt der geschwisterlichen /inzestuösen Verbindung ihre Gewänder. Was zunächst in eine peinliche Entblößung hinauszulaufen scheint, entpuppt sich als berührende Kleidungs-Rochade. Der wuchtige männliche Siegmund in den zarten Gewändern seiner Geliebten,- und umgekehrt. Die Verbundenheit der beiden so zu zeigen fand ich,- gerade in ihrer Uneitelkeit,- sehr mutig. Die Ausdehnung des Bühnenraums hat es mir angetan! Zunächst niedrig und drückend, hebt er sich unmerklich, weitet er sich im Laufe der Szenen immer mehr und die drückende Decke verschwindet gar ganz aus dem Sichtfeld. Selbst die Fenster strecken sich immer höher und heller. Sprosse um Sprosse. Aus Hundings Hütte wird und weitet sich: Walhalla. Dann, nur ein Detail, aber !stark! die Neonröhren, welche den Bühnenbogen säumen und die den alles überspannenden Grünspan-Schimmel noch grüner und bleicher wirken lassen: Sie führen ein flackerndes Eigenleben, doch zuweilen gehen sie mit den Orchesterklängen einher, wie eine Lichtorgel. Das war unheimlich und hatte freche Kraft. Ein subtiles, klug gelöstes Bühnenbild. Der Verweis auf den Antikriegsfilm „Apocalypse now“ liegt in der dritten Szene auf der Hand. Ich kann mich erinnern, dass die Soldaten in den Hubschraubern in dieser Filmszene, – beim Angriff auf Vietnam, –  Wagners Walkürenritt per Tonband einschalten, sozusagen als stimulierende Begleitmusik ihres fürchterlichen Zerstörungsaktes. Hier, in Walhall, liegt der kaputte Kadaver des Hubschraubers, umgeben von den gefallenen Helden und von den roten reitenden Walküren, sinnbildlich am Boden. Die Walküren entlocken uns vor diesem apokalyptischen Setting, zu Beginn des dritten Aktes, kollektiven Schauder. Jede einzelne Gesangsrolle empfand ich exzellent besetzt! Eine großartige gesangliche Kraft und Schönheit, wirklich aller Sängerinnen und Sänger, stark begleitet von dem verlässlich hervorragenden Orchester der Düsseldorfer Symphoniker. Der Applaus sprach Bände. Beseelt und schon äußerst gespannt auf die Fortsetzung des Ringes verlasse ich diese Oper. Sie verging wie im Fluge.

Opernscouts 2017

Hilli Hassemer
Bildende Künstlerin
Die Malerin Hilli Hassemer lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Düsseldorf. Damals noch fremd in der Stadt und mit einem „Hardcorde-Wagnerfan“ befreundet, wurde die Oper unverhofft Dreh- und Angelpunkt ihres neuen Lebens. Jetzt will sie sich wieder intensiver mit Oper und Ballett befassen – genau hinschauen, zuhören, das Erlebte beschreiben. Sie sagt: „Es ist schön, wenn man sich selbst und seiner Meinung vertraut.“

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