Götter, Irdische, Liebe, Ehebruch, Inzest, Verrat und Totschlag

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Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Georg Hess über die Premiere von „Die Walküre“

Auch im zweiten Teil der Tetralogie Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ geht es weiter spannend zu: Mit einer irdischen Frau hat der Gott Wotan nun das Zwillingspaar Siegmund und Sieglinde gezeugt. Mit der Liebesgeschichte des Geschwisterpaares, der Wandlung der Walküre Brünnhilde und dem Abschied Wotans von seiner Lieblingstochter enthält „Die Walküre“ einige sehr emotional berührende Szenen mit großen Dialogen. Die Inszenierung durch Dietrich W. Hilsdorf hat mich durchaus angesprochen, jedoch hätte ich mir als Wagner-Neuling mehr Nähe zur ursprünglichen Version gewünscht, ohne die stark gewählten Parallelen zu den „großen“ Kriegen der Neuzeit. So war beispielsweise die Bühne einem Führerbunker nachgebaut und Wotans Aufzug ähnelte sehr dem eines NS-Schergen. Im dritten Akt wurde dann auch noch die Landung eines Hubschraubers in Anlehnung an Coppolas „Apocalypse Now“ nachgestellt, welcher seinerzeit die Musik Wagners („Ritt der Walküren“) verwendet hat. Stattdessen hätte ich mir insbesondere bei Wotan doch etwas mehr Göttlichkeit gewünscht – er wirkte vielmehr wie ein abgehalfterter Tyrann. Respekt für ihn konnte ich nicht empfinden. Die Musik stellte für mich den Höhepunkt des Abends dar. Der große Applaus für die Düsseldorfer Symphoniker unter der Leitung von Axel Kober war absolut gerechtfertigt. Gesanglich beeindruckten mich zudem Brünnhilde, dargestellt durch Linda Watson, und die übrigen stimmgewaltigen Walküren, welche im ersten Teil des dritten Aktes ihren großen Auftritt hatten. Auch wenn mein Urteil über die aktuelle Aufführung nicht überschwänglich ist, so bin ich doch sehr angetan vom „Ring“, besonders wegen  seiner so epischen, vielfältigen und phantasiereichen Handlung, die sich an allen nur erdenklichen Wesen und Gemütszuständen bedient und ständig unerwartete Windungen bereithält. Nach Göttern, Irdischen, Liebe, Ehebruch, Inzest, Verrat und Totschlag bin ich nun gespannt, was Wagner in „Siegfried“ erzählen wird.
Opernscouts 2017

Georg Hess
Notarfachreferent
Als „aufgeschlossenen Opernneuling“ beschreibt sich Georg Hess, der in Düsseldorf lebt und hier als Notarfachreferent arbeitet. Als Opern- und Ballettscout möchte der tiefer in die Materie einsteigen, sich von den Stücken fangen lassen und seine Eindrücke anschließend an Freunde, Kollegen und die Leser unseres Blogs weitergeben. Die Premiere von b.26 war der erste Ballettabend, den er live auf einer Bühne erlebte und ihm deutlich gezeigt hat, welch unterschiedliche Stimmungslagen Ballett erzeugen kann.

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