„Den Verträgen bin ich nur Knecht.“ – Was ist Freiheit wert?

Die_Walkuere_15_FOTO_HansJoergMichel
Die Walküre FOTO: Hans Jörg Michel

Roland Schüren über die Premiere von „Die Walküre“

Ich bin begeistert! Während mich die Inszenierung des „Rheingold“ in der letzten Spielzeit so gar nicht mitnehmen konnte, reißt mich „Die Walküre“ vollends mit. Die Erwartung von fünf Stunden Oper ruft mir Videoabende mit den Freunden in den 80ern in Erinnerung. Als späte Teenager hatten wir auch ‚Apocalypse now‘ auf den VHS Kassetten. Dieser Antikriegsfilm funktionierte auch an dritter Stelle nach z.B. den Bluesbrothers oder Zurück in die Zukunft, ohne dass man einschlief. Jetzt, nach der Walküre in der Deutschen Oper am Rhein, weiß ich auch warum. Wagner sei Dank: Der Ritt der Walküre war’s! Natürlich war der Ritt nicht alleine der Grund, der uns trotz gewaltiger Längen, damals wie heute, nicht in der fünften Stunde einschliefen ließ. Aber die Szene des Hubschrauberangriffes, der mit Wagners monumentalen Klängen unterlegt, nein über-legt war, ist wohl jedem in Erinnerung geblieben, der diesen ergreifenden Film gesehen hat. Und im Opernhaus? Am Ende des zweiten Aktes habe ich eine Vorahnung als ich erkenne, dass der große Ventilator an der Decke der Bühne irgendwie einem Hubschrauberrotor gleicht. Und dann im dritten Akt? – Wow! – Macht die Inszenierung auch noch sehr, sehr eindeutige Anleihen bei ‚Apocalype now‘! Ich bin hin- und weggerissen von der Umsetzung der Story und dem Bühnenbild mit dem abgestürzten Hubschrauber, den untoten Soldaten-Zombies, die mit Hilfe der Walküren nach Walhall aufbrechen. Das passt tatsächlich hervorragend zusammen. Klasse! Ich spüre wie sich ein durchgängig grinsendes Lächeln in meinem Gesicht festgesetzt hat. Ein geniales Finale in Stunde fünf!
Was ich aber an erster Stelle aus der Walküre mitnehme, ist etwas anderes. Es hat seinen Ursprung im zweiten Akt in dem langen und sehr ruhigen Zwiegespräch zwischen Wotan und Brünnhilde. Wotan sinniert ob seiner vertraglichen Bindungen. Der Kriegsherr ist ein Häuflein Elend, der anders handeln möchte als aufgetragen, es aber eben nicht kann. „Den Verträgen bin ich nur Knecht“ singt er. Das Fehlen von Freiheit raubt ihm den Lebenssinn. Er ekelt sich vor sich selbst. „Nur dies will ich noch, das Ende, das Ende.“ – Ich nehme mit: Ohne Freiheit ist alles nichts. Habe ich letztes Wochenende nicht etwas Ähnliches in der leicht philosophischen aber sehr der Zukunft zugewandten Bewerbungsrede von Robert Habeck zum Parteivorsitzenden der Grünen, auf dem Parteitag in Hannover herausgehört? Darüber denke ich jetzt nach. Entscheidungsfreiheit über sich selbst zu haben, ist ein sehr hohes Gut! Ob für Kriegsherren, Politiker, Bäckermeister oder jeden anderen Menschen. Das wusste Maslow, das wusste Wagner. Ich freue mich auf den Ring Part trois. Bis dahin berausche ich mich an Wagners Sprache. „Des seimigen Metes süßen Trank magst Du mir nicht verschmähen.“

Opernscouts 2017 - Roland Schüren

Roland Schüren
Inhaber der Bäckerei „Ihr Bäcker Schüren“

Bereits in vierter Generation führt Roland Schüren den Familienbetrieb „Ihr Bäcker Schüren“ mit Hauptsitz in Hilden. Mit seinem Anspruch an Qualität, Produktvielfalt und Nachhaltigkeit gilt er als einer der besten und innovativsten Handwerksbäcker in Düsseldorf und der Region. Ihm und seinen Bäckern macht es Spaß, alles selbst herzustellen – ohne Fertigmischungen und Massenproduktion, dafür mit viel Zeit und handwerklichem Können. Da gibt es doch Parallelen zu unserem Opern- und Ballettproduktionen …

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s