Film ab: Petruschka erobert mich auf Anhieb!

Petruschka_LEnfant_01_FOTO_HansJoergMichelHilli Hassemer über die Premiere von „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

Zauberhafte, originelle und auch gruselige Bildcollagen, sie sind künstlerisch-grafisch ein helles Vergnügen und wirbeln Geist wie Sinne in die Jahrmarkt-Welt Russlands zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Vor dieser magischen Kulisse werden wir im Publikum zu staunenden Kindern. Ich bin entzückt von der intelligenten wundersamen Abfolge phantastischer Szenen. Auch die Geschichte rührt mich an. Freud und Leid der drei „Akrobaten-Puppen“ und letztendlich die Flucht Petruschkas vor den sadistischen Quälereien seines Meisters, – sie führt zu einem traurig schönen Ende. Der russisch-französische Maler Marc Chagall hätte sicher seine Freude an diesen bewegten Bildern gehabt, die Figuren erinnern mich an seine poetisch naiven Malereien, wo immer wieder einmal Mensch und Tier durch die Lüfte fliegen. Fliegen scheinen auch die drei britischen Artisten zu können, die mit großer Eleganz und Finesse zu Strawinskys Musik und phänomenal synchron mit der filmischen Ebene verschmelzen. Das Spiel ihrer Schatten in der Filmprojektion ist mir eine Augenweide. Man darf sich gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn ein akrobatischer Akt daneben ginge! In dieser perfekten, ineinander verzahnten Gesamtkomposition aus Musik, Film und echten Akrobaten muss jede Bewegung auf den Punkt stimmen. Die akribische und hochkomplexe Arbeit hinter diesem kurzweiligen Stück hat meine Bewunderung. „L’Enfant et les Sortilèges“ – obwohl mit der gleichen genialen künstlerischen Handschrift erschaffen,- erscheint mir etwas zu verblassen, hinter der opulenten „Petruschka“. Vielleicht liegt es auch an der Geschichte, die mein Interesse nur schwer binden kann, wohlmöglich auch, weil diese Musik Ravels mich nicht sonderlich berührt. Dennoch: großer Respekt vor der Leistung aller mitwirkenden Sängern, Chören und Musikern. Sehr erstaunt, wie viele Mitwirkende am Ende auf der Bühne erscheinen.
Das britische Trio namens „1927“ (Suzanne Andrade, Esme Appleton und Paul Barritt) hat die unvergessene Zauberflöte auf die Düsseldorfer Bühne gebracht – drei Mal hat sie mich schon begeistert und das vierte Mal steht im Juni an. Nun stammt die Inszenierung dieser beiden kurzen Opern von Strawinsky und Ravel erneut aus der Feder der Bilderwelt der drei Briten. Meine Erwartungen waren zugegeben hoch und auch dieser Abend war ein großes Vergnügen.

Opernscouts 2017

Hilli Hassemer
Bildende Künstlerin
Die Malerin Hilli Hassemer lebt und arbeitet seit 20 Jahren in Düsseldorf. Damals noch fremd in der Stadt und mit einem „Hardcorde-Wagnerfan“ befreundet, wurde die Oper unverhofft Dreh- und Angelpunkt ihres neuen Lebens. Jetzt will sie sich wieder intensiver mit Oper und Ballett befassen – genau hinschauen, zuhören, das Erlebte beschreiben. Sie sagt: „Es ist schön, wenn man sich selbst und seiner Meinung vertraut.“

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