Ein Abend für zwei Opern

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Ariadne FOTO: Birgit Hupfeld

Heike Stehr über die Premiere von „Pygmalion / Ariadne“

Zwei halbe Opern füllen einen ganzen Abend, wenn die Deutsche Oper am Rhein mit dem Format Plattform Regie „Young Directors“ Künstlern des Ensembles die Gelegenheit gibt, eigene Inszenierungen zu entwickeln. Verbunden sind die beiden Stücke durch ihren Inhalt, der jeweils auf einem antiken Stoff basiert, und durch ihre Erstaufführungsjahre 1960 und 1961, obwohl ihre Entstehung ganze 142 Jahre auseinander liegt.
Das ältere der beiden Stücke ist Donizettis Opernerstling „Pygmalion“. Der Stoff vom Künstler, der sich ein Frauentraumbild aus Elfenbein erschafft und in die eigene Schöpfung verliebt, ist opulent in Szene gesetzt. Venus, Medusa, Jupiter, Minotaurus und Ikarus tummeln sich als Skulpturen in einem antiken Künstlerstudio, in dem das Auge des Zuschauers so richtig schwelgen kann. Ganz detailverliebt ist das Bühnenbild ausgestattet. Die Musik, die Donizetti einst verwarf, lässt sich gut hören, im ihrem Abschlussduett gefallen mir Ovidiu Purcel und Lavinia Dames besonders gut.
Das zweite Stück ist von 1958 und ein Spätwerk des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů. Es gelingt Theseus, mit Hilfe von Ariadnes Faden, ihren blutdürstigen Halbbruder Minotaurus, ein Halb-Stier-Halb-Mensch-Mischwesen, zu töten und aus dem Labyrinth heraus zu finden. Der Stoff wird in der Inszenierung von Kinga Szilágyi in seinen tiefenpsychologischen Dimensionen unterstützt und unterhaltsam in Szene gesetzt. Die surrealen Bilder spielen mit Mehrfachdeutungen und Verwandlungen vor allem mit dem Begriff des (eigenen) Schattens. Besonders beeindruckt hat mich die Szene, in der Minotaurus am Ende als schwarzer Schatten, der den gleichen Faden wie Theseus selbst in der Hand hält, erscheint. Bei den Duisburger Philharmonikern unter Jesse Wong kommt im zweiten Teil des Abends mit den ungewöhnlichen Klangfarben Martinůs ausdrückliche Spielfreude auf und auch das Sängerensemble strahlt solche aus. Leif-Erik Heine zeichnet diesmal für ein auf ganz andere Weise atmosphärisches Bühnenbild verantwortlich: voller Symbole, Moderne, Beweglichkeit und Überraschungen.
Es lohnt sich ganz bestimmt, sich ein eigenes Bild von diesem, in seinen beiden Teilen so unterschiedlichen, Opernabend zu machen.

OpernscoutsHeike Stehr
Erzieherin und Therapeutin
Kunst spielt in Heike Stehrs Leben eine große Rolle: Die ehemalige Erzieherin und jetzige Kunsttherapeutin betreibt den Blog http://kunstlebendig.blogspot.de. Sie ist schon zum zweiten Mal in Folge Opernscout in Duisburg und ist der Meinung, dass Opernbesuche ansteckend wirken sollten.  Gerne erzählt sie ihrer Familie und ihren Freunden von ihren Erlebnissen und Überraschungen, die sie bei den Premieren erlebt hat.

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