Beim Speed-Dating danebengelegen

b.36 Ballett am Rhein Düsseldorf DuisburgSCHWANENSEE ch.: Martin Schläpfer
„b.36 – Schwanensee“ FOTO: Gert Weigelt

Roland Schüren über die Ballettpremiere „Schwanensee“

Ist es nicht einfach viel, viel besser mit den Freunden locker-lustig durch die Lande zu ziehen, als sich in unglückliche oder glückliche Liebschaften zu stürzen?

Vorab: Die „Schwanensee“ – Uraufführung von Martin Schläpfer ist ein grandioser Augen- und Ohrenschmaus. – Wunderbar! So kurzweilig! So perfekt umgesetzt! So etwas Schönes! Das war kein klassisches Ballett, das war ganz großes kreatives Tanzkino, das die Handlung von Schwanensee tief- und hintergründig erzählt. – Hammer! Beschwingt, ironisch-humorvoll, traurig, lustvoll, nachdenklich-ruhig, albernd, sportlich-schnell – alle Aspekte kommen vor und sie sind jeweils passend in die verschiedenen Szenen integriert. Die Düsseldorfer Symphoniker um Axel Kober sind wie immer top, 1A, besser ist Tschaikowsky nicht vorstellbar. Die Kostüme sind eine moderne Weiterentwicklung des Antlitzes des Balletts ganz ohne Tutu, nicht aber die Klassik von Schwanensee verleugnend. Ebenso die Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer, schon klassisch, dennoch mit passend ballettfremden Elementen ergänzt. Ich will das sofort noch einmal sehen!

Zurück zur Frage „Spaß mit Freunden versus Liebschaften“. Schaut man sich den 1. Akt an, muss die Antwort auf die eingangs gestellte Frage wohl pro „Spaß mit Freunden“ ausfallen. Der 2. Akt spricht inhaltlich eindeutig für den Zauber einer frischen, jungen Liebe. Und der 3. Akt? Mega-Kino: Er spielt in einem für Prinz Siegfried von der eigenen Mutter organisierten Speed-Dating-Event. Spannung. Ich klebe an der Story. Wer ist denn jetzt die Chimäre, diese geheimnisvolle Fake-News-Braut? Ist es die Weinrote, die Blaue oder die gar die Schwarze? Alle tanzen so, so schön, so grandios, so anmutig-begehrenswert. Ist es vielleicht die Große, die zwischendurch niveauvoll und humoristisch daher kommt? Für welche Braut wird sich Siegfried entscheiden? (Bin ich hier etwas im Ballett?) – Ja, sie ist es! Camille Andriot bezaubert als die Chimäre Odile auch mich im Publikum. Klar, dass Siegfried auf sie hereinfallen muss. Der 4. Akt bringt mir dann ganz eindeutig die Antwort auf die Frage, die mich in dieser Uraufführung seit dem 1. Akt verfolgt: Im Zweifelsfall entscheide ich mich besser für die Freiheit und das unbeschwerte Leben mit Freunden anstatt für riskante Liebschaften. Diese führen in den Tod. Hier zumindest in den doppelten Bühnentod.

Ich feiere meinen baldigen, nicht runden Geburtstag jetzt doch etwas größer und lade gleich morgen meine alten Kumpels ein. Martin Schläpfer sei Dank.

Opernscouts 2017 - Roland SchürenRoland Schüren
Inhaber der Bäckerei „Ihr Bäcker Schüren“

Bereits in vierter Generation führt Roland Schüren den Familienbetrieb „Ihr Bäcker Schüren“ mit Hauptsitz in Hilden. Mit seinem Anspruch an Qualität, Produktvielfalt und Nachhaltigkeit gilt er als einer der besten und innovativsten Handwerksbäcker in Düsseldorf und der Region. Ihm und seinen Bäckern macht es Spaß, alles selbst herzustellen – ohne Fertigmischungen und Massenproduktion, dafür mit viel Zeit und handwerklichem Können. Da gibt es doch Parallelen zu unserem Opern- und Ballettproduktionen …

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