Der Traum von Liebe und Freiheit

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Petruschka – FOTO: Hans Jörg Michel

Jürgen Ingenhaag über die Premiere von ,,Petruschka/L’Enfant Et Les Sortilèges“

Igor Strawinskys „Petruschka“ habe ich zumindest schon mal im Philharmonischen Konzert gehört. Damals lieferten die Duisburger Philharmoniker die Musik zum Kopfkino. Und heute gibt es großes Kino – ja, nein, Musiktheater! Das Team „1927“ hat sich nach der weltberühmten „Zauberflöte“ nun zwei seltener gespielte Stücke vorgenommen, denn wie viele Andere fragte ich mich: „Lonfohn wat“?

„Das Kind und der Zauberspuk“ des „Bolero“-Komponisten Maurice Ravel ist eine Mini-Oper, genauer eine lyrische Phantasie. Anders als bei Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ wird hier ein „bitterböser Friedrich“ im Wunderland zum Guten bekehrt. Das Stück von 1925 ist bestens für Film und Animation geeignet, denn wie lassen sich sonst sprechende Uhren, Teetassen oder Katzen und Frösche auf die Bühne bringen? Beeindruckt hat mich die Szene, wo die beiden Katzen übergroß und so zur Bedrohung des Jungen werden. Fabelhaft ist die Stimme des Froschs. Rheinoper-Tenor Florian Simson singt diese Partie und steckt auch in der Science-Fiction-mäßigen Maske des „Dr. Mathe“. Wie die anderen Opernscouts bin auch ich überrascht, wie viele Mitwirkende zum Schlussapplaus auf der Bühne stehen.

Ganz anders beim halbstündigen Werk „Petruschka“, welches leichter zugänglich ist und mit drei Darstellern auskommt. Auf einem russischen Jahrmarkt werden drei Marionetten zum Leben erweckt und zeigen sympathische menschliche Züge wie den Traum von Liebe und Freiheit. Doch der Clown Petruschka kann dem „Master of puppets“ nur durch seinen eigenen Tod entkommen. Bedrückende Bilder von übergroßen Händen und hässlichen Fratzen wechseln mit beschwingten Bildern bzw. artistischen Einlagen ab. Hut ab vor diesen drei Künstlern.

Gute Kinofilme sind nur gut durch eine großartige Orchestermusik. Vielleicht lässt sich ja der eine oder andere Kinogänger auf das Live-Experiment „Oper“ ein…

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.

Jürgen Ingenhaag
Vorstand Musikalische Gesellschaft Rheinberg

Der Staatlich geprüfte Techniker für Druck und Medien organisiert im Vorstand der Musikalischen Gesellschaft Rheinberg klassische Konzerte in der Stadt am Niederrhein. Daneben spielt er Gitarre in der Rheinberger Band ,,Die Zauberlehrlinge‘‘. Mit Rock- und Popmusik ist er aufgewachsen – sie hat ihn geprägt und trotzdem nicht daran gehindert, ein großer Freund der Oper zu werden; einer, der sogar die Bayreuther Festspiele besucht. Im Theater Duisburg freut er sich nach „Rheingold“ und „Walküre“ in dieser Spielzeit auf die Fortsetzung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“.

 

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