Eine phantastische Welt an der Leinwand

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L’Enfant et les Sortilèges FOTO: Hans Jörg Michel

Kerstin Hein-Flügel über die Premiere von „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“

Die britische Theatergruppe „1927“ hat mir nach Mozarts „Die Zauberflöte“ ein weiteres Mal zwar eine recht kurze aber phantastische Premiere im Duisburger Theater an die Wand geworfen.

Der Doppel-Leinwandabend hebt ab mit „Petruschka“ und setzt den Zuschauer ins Karussel der Jahrmarkt Eindrücke. Die stilistisch ins letzte Jahrhundert inszenierte Trickfilmwelt  ist mir sonderbar, die Menschen darin steril, gemein, hässlich, ganz zu schweigen vom fiesen Puppenspieler. In seiner Kiste piesackt er mit überdimensionalen Nadeln den Clown Petruschka, die Tänzerin und den Muskelmann. Das geheime Reich der Puppen mit ihren menschlichen Zügen spielt in der perfekt animierten Trickfilmkiste. Im Verlauf entwickeln sich die tragisch einseitige Liebesgeschichte Petruschkas und sein Drang nach Freiheit. Ihm gelingt die Flucht durch ein Loch in der Leinwand, aber nach kurzem Ausflug durch cineastische Abenteuerwelten wieder gefangen und zurück findet er den Tot. In einer 40 Minütigen Inszenierung verschmelzen vor meinen Augen und Ohren atemberaubende Kunststücke der drei Darsteller eingebunden in einem Trickfilm fein abgestimmt auf Stravinskis Musik. Das Lächeln des Clowns und seine akrobatischen Einlagen sind grandios gespielt und bleiben dem Zuschauer sicherlich noch länger in Erinnerung.

Dann geht es weiter mit „L’Enfant et les Sortilèges“ oder einfach „Das Kind und der Zauberspuk„.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Das böse Kind macht alles kaputt, quält Katzen, hasst seine Mama und am Ende wird alles gut. Doch der Weg dahin wird zur Kinderzimmer Horror Picture Show. Jetzt wird es unruhiger an der Leinwand und ich muss mich konzentrieren, um die vielen Details zu verstehen.  Nach der Fusion aus Film, Musik und Darsteller zuvor bei Petruschka kommt bei dieser Alptraum-Oper jetzt noch der Gesang hinzu, obgleich die Sänger und der Chor für den Zuschauer größtenteils unsichtbar bleiben. Sehr schön ins Bild gesetzt die phantasievoll zum Leben erweckten Gegenstände auf der Leinwand und insbesondere für mich die Gesangseinlagen der Sonne. Der cineastische Anteil überwiegt bei dieser Inszenierung. Wer zwischendurch auch mal die musikalischen Momente Ravels genießen möchte sollte dann die Augen schließen, was aber schwer  gelingen wird.

Mein Fazit: Eine phantastische Welt an der Leinwand  und Musik aus dem Orchestergraben meines geliebten Theaters in Duisburg, wieder genial für den Moment, den ich mir noch ein weiteres Mal gönnen werde. Ob sich aber mit dieser Art der Inszenierung nachhaltig eine neuartige Kunstform auftut ist ungewiss. Und so könnte es beim nächsten Mal auch schon eng werden  für die Theatergruppe „1927“ oder mögliche Nachahmer nochmal einen drauf zu setzten. Warten wir´s ab.

19.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.
Kerstin Hein-Flügel
Inhaberin FLORES Duisburg
Die Floristmeisterin und Dekorateurin, die sich mit ihrem Blumenladen „Flores“ in Duisburg selbstständig gemacht hat, ist mit dem Kunsthandwerk groß geworden: Schon ihre Eltern hatten ein Floristikgeschäft. Kerstin Hein-Flügel beschreibt sich als kreativen Charakter, der sich nicht nur von der Natur, sondern auch von Kunst und Musik inspirieren lässt. In ihrer Freizeit geht sie gern und oft in die Oper. Sie möchte auch in ihrer zweiten Spielzeit als Opernscout ihre Gedanken nach außen tragen.

 

 

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