Eine zauberhaft-naiv wirkende Kulisse

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Annette Hausmann über den Doppelabend ,,Petruschka/L’Enfant Et Les Sortilèges“

Der Vorhang öffnete sich und sogleich „entpuppte“ sich das Bühnenbild als computeranimierter Zeichentrickfilm, der uns Zuschauer in die Welt des russischen Jahrmarkttreibens zu Beginn des letzten Jahrhunderts entführte. Inmitten dieser zauberhaft-naiv wirkenden Kulisse werden die drei Spielpuppen von ihrem bösen Meister zum Leben erweckt und verwandeln sich wie von Zauberhand in drei menschliche Artisten, die ihre darstellende Kunst in Form von Gestik, Mimik und Akrobatik auf non-verbale Art exzellent beherrschen. Durch ihr anmutigen Bewegungen und Kunststücke, die immer absolut punktgenau-synchron zum Filmabschnitt und zur schnellen, ausdrucksstarken Musik Strawinskys passen, entsteht aus dieser Dreierkonstellation eine Art Symbiose, die mich während des 50-minütigen Verlaufes in ihren Bann zog. Besonders verbunden gefühlt habe ich mich mit dem Leidensweg des Clowns „Petruschka“ (Tiago Alexandre Fonseca), der am Ende nur noch seinen Tod als einzigen Ausweg ansieht, um sich aus den Fängen seines despotischen Meisters zu befreien und zur erhofften, grenzenlosen Freiheit zu gelangen.

Der zweite Teil des Abends „L’enfant et les Sortilèges“ von Ravel sprach mich weit weniger an als „Petruschka“. Obwohl die Art der Film- und Musikdarbietung vergleichbar mit „Petruschka“ ist und hervorragende Opernsänger der Deutschen Oper am Rhein in die Rolle der Schausteller „schlüpfen“, blieb ich mit der Geschichte und der Figur des ungehorsamen, scheinbar bösen und faulen Jungen, der in einem Albtraum, den er in all seinen Facetten durchleben muss, zum Umdenken erzogen wird, auf Distanz. Das abrupte „Happy-End“ erinnerte einen unschwer an den „Struwwelliese – und Struwwelpeter-Mythos“ aus vergangenen Kindheitstagen.
Ravels Musik – sicherlich geprägt von seinen Erlebnissen im ersten Weltkrieg – empfand ich als zu unruhig, hart und impulsiv. Auch die teilweise sehr finstere und brutale Bildanimation des zweiten Teils war meiner Meinung nach wenig geeignet für eine Kinderoper.

28.09.2018, DU Duisburg , Opernscouts Deutsche Oper am Rhein , Opernplatz.
Annette Hausmann
Grundschullehrerin

Annette Hausmann unterrichtet an GGS Hermann-Grothe-Straße in Duisburg-Bissingheim, einer Montessori-Grundschule, die sie selbst mit aufgebaut hat. Ihre große Verbundenheit zum Theater hat sie ermuntert, am Projekt „erlebte Oper … erlebter Tanz“ teilzunehmen. Sie findet es spannend und freut sich darauf, sich als Scout für Oper und Ballett in dieser Saison wieder regelmäßig und intensiv mit Oper und Ballett auseinanderzusetzen.

 

 

 

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