Das Schwarze als Symbol

Otello

Isabel Fedrizzi über die Premiere von Verdis „Otello“

Dieser Otello in Duisburg ist in jeder Hinsicht „ein schwarzes Stück“: inhaltlich, dramaturgisch, bühnenbildlich und kostümtechnisch. Das Libretto beschreibt nun einmal diese düstere Tragödie: der erfolgreiche, aber krankhaft eifersüchtige Otello, der sich durch das abgrundtief böse und falsche Ränkespiel seines Hauptmanns Jago  manipulieren lässt und schlussendlich seine geliebte Ehefrau ermordet.

Die Wege, dieses Drama auf die Bühne zu bringen, sind vielfältig und Michael Thalheimer hat sich in DU für eine gänzlich schwarze Fassung entschieden – das Schwarze als Symbol: schwarze Gesichter für die Leere und das Kranke im  Kopf (nicht nur Otellos), die Bühne als schwarzer „Guckkasten“ – die gefühlte Hölle, in der Desdemona ihr Leben fristet, die Niedertracht und die nihilistische Weltanschauung Jagos, Otellos Innenleben mit schwarzer Seele,  vielleicht auch Symbol für Schuld und das Schuldigsein an sich? Die Interpretationen und Assoziationen sind zahlreich. Bei aller Symbolträchtigkeit, die auch ihren Reiz hat, weil man in jedes Detail etwas „hineindenkt“, empfinde ich diesen Otello dennoch als statisches Kammerspiel. Drei Stunden Oper, die sich von der ersten bis zur letzten Minute in einem schwarzen Kasten abspielt, Orts- und Szenenwechsel nicht einmal andeutet, schwarze Kostüme und ein schwarzer Chor, fast keine Requisiten (Die zwei monolithisch herausragenden  blütenweißen Requisiten „Taschentuch“ und „Brautkleid“ werden effektvoll eingesetzt) sind doch mühsam. Vor allem aber ist alles so statisch, so bewegungslos: es wird über weite Strecken gestanden und gesungen. Zwei überraschende Sprünge Jagos an zwei Szenenenden prägen daher schon deutlich die Erinnerung. Die sängerische Leistung war gut, besonders Desdemona und Jago haben stimmlich und auch schauspielerisch wunderbar ihre Rollen ausgefüllt. Otello schien stimmlich in der Höhe mehr als an seine Grenzen zu stoßen, sehr gut war der Chor, voluminös und kraftvoll. Auf diese Inszenierung muss man sich einlassen, bereit sein, die Musik ganz in den Vordergrund zu stellen, und alles andere mit viel eigener Phantasie zu füllen.

Fedrizzi_Isabel_FOTO_Tanja_BrillIsabel Fedrizzi
Musikjournalistin

Die studierte Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet „auf kleiner Flamme“ als Musikjournalistin, u. a. für den Düsseldorfer Verlag „Staccato“. Im Hauptberuf ist sie Mutter zweier schulpflichtiger Töchter, in ihrer Freizeit begeistert sie sich für das Kulturangebot der Deutschen Oper am Rhein. Als Scout für Oper und Ballett möchte sie ihre Zuschauererfahrungen erweitern und intensivieren.

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